Montag, 31. Dezember 2007

Mit Deef in der Goldenen Schildkröte

Tintenfisch in der Goldenen SchildkröteHabe ich schon mal erwähnt, wie gerne ich Tintenfisch mag?

Da schreiben wir über Currywurst, komische Asianudelsuppen und klitschige Waffeln. Und dabei verschwinden in den Untiefen von lecker essen! still und leise die wirklichen Gastromieperlen dieser Stadt. Beim Durchforsten alter Beiträge entdeckte ich nämlich gerade ein bisher nicht veröffentlichtes Posting zum Vietnamrestaurant Goldene Schildkröte - Kim-Qui (Torstraße 179, Berlin-Mitte). Keine Ahnung, warum das noch immer auf Veröffentlichung wartet, denn im Prinzip sind wir dort schon fast längst Stammgäste. Seit Juli habe ich bestimmt sieben oder acht Mal in dem Restaurant-Café, wie es sich selbst nennt, gegessen. Immer gut, immer sehr schmackhaft, immer mit ausgezeichnetem Service. Wasabi ist inzwischen auch Schildkrötenfan, und so war es fast schon vorbestimmt, dass wir gestern abend schon wieder in die Torstraße gondelten. Diesmal mit Deef, der zu Silvester einen kleinen Abstecher in die Hauptstadt gemacht hat.

Dank Deef kostete ich erstmals warmen Reiswein, den man aus einer Art Eierbecher trinkt. Während wir über alte Zeiten schwätzten und Wasabi dabei fast zu Tode langweilten, löffelten wir wunderbare Hühnersuppen (ich mit Glasnudeln, Wasabi mit Kokosmilch) und Deef verspeiste eine gedämpfte Hefeteigtasche. Den scharfen gebratenen Tintenfisch vom Foto gab es auch. Das Bild stammt vom Juli (so lange gärt dieser Beitrag schon in der Postliste vor sich hin...) - ich bin überzeugt, er hätte gestern kein bisschen schlechter ausgesehen. Aber Wasabi nahm im Hauptgang Rindfleisch mit Gemüse und Paprika (scharf!), ich das Schweinfleisch auf lauwarmen Reisnudeln. Deef (den ich ganz anders nenne) bestellte einen meiner Favoriten: knuspriges Huhn, süß-sauer mit Reis. Die Vorspeisen und Suppen kosten zwischen 2,50 und 3,80 Euro, die Hauptgerichte zwischen 6 und 7,50 Euro. Ein großes Bier gibt es hier noch unter drei Euro selbstverständlich im Glas und gezapft. Der Kaffee ist übrigens auch von bester Qualität. Also Ihr Hungrigen: nicht direkt am Rosenthaler Platz hängen bleiben, sondern noch 400 Meter Richtung Oranienburger Tor gehen. Es lohnt sich. So. Das ist mit Sicherheit der letzte Beitrag des Jahres 2007. Guten Rutsch.

Update 21. 5. 2008: Wie wir gestern gesehen haben, hat die Goldene Schildkröte zugemacht.

Punk is not dead ... und veganes Essen ist köstlich

restaurant zest

Beides mag überraschend klingen, beweist sich aber im tadellosen Restaurant Zest in der Bornaischen Straße 54 - im Vorderhaus des Zoro, einem sehr alternativen Veranstaltungsort für Punkkonzerte und Verwandtes. Zwischen den beiden Läden gibt es wohl personelle oder andere Verbindungen und zu späterer Stunde setzt sich manchmal die heftig tätowierte Küchenchefin raus an den Tresen - aber das Zest ist keineswegs ein verranzter Alternativentreff, sondern ein äußerst professionell geführtes Restaurant und nebenbei bemerkt eines der besten seiner Preisklasse in Leipzig.

Auf der monatlich wechselnden Karte entdecke ich jedes Mal etwas Neues. Die Gerichte bedienen sich aus verschiedenen Länderküchen von Orient bis Okzident, verwenden saisonale Zutaten und bieten überraschende Zusammenstellungen, neue Geschmackserlebnisse und Dinge, die ich einfach noch nie gegessen habe. Die Zest-Besatzung stellt alle Gerichte frisch her und verwendet keinerlei Fertigprodukte. Der Service tritt in der Ansprache weder zu salopp noch zu förmlich auf und kann sehr kompetent zu den Gerichten auf der Karte Auskunft geben. Genau so würde ich gerne überall bedient werden - und da meine ich nicht nur die Läden, wo sich überforderte studentische Aushilfskräfte redlich abmühen, sondern gerade auch Lokale, die offensichtlich nach Höherem streben.

Also gleich mehrere Gründe, unserem vorweihnachtlichen Kurzbesuch in Leipzig entgegenzufiebern, für den wir frühzeitig einen Tisch reserviert hatten - das Zest ist gerade am Wochenende abends meistens durchreserviert und da das Stuhlwerk in dem kleinen Raum mit den freiliegenden Backsteinwänden erheblich bequemer ist, als es aussieht, wird da meistens auch so schnell nichts frei. Freund R. musste nicht lange gebeten werden, GutesEssen und mich zu begleiten, denn neben dem Essen schätzt er die kleine, aber besondere Auswahl offener Weine, die man so in Leipzig kaum bestellen kann.

fruehlingsrollen

hummus mit fladenbrot

selleriepüree

Als Vorspeise bestellte ich die sensationellen knusprigen Frühlingsrollen mit Currygemüsefüllung und fruchtig-sauer-süß-scharfer Mangosoße (4, 50 Euro), GutesEssen verspeiste das Sellerie-Schnittlauchpüree in hauchdünnem Teig mit geschmortem Chicoree (5, 10 Euro) und R., der an einer Zungenverletzung laborierte, labte sich im ersten Gang an Hummus (Kichererbsenpaste) mit selbst gebackenem Fladenbrot (3, 90 Euro).

linsensalat

Kartoffelgnocchi mit rosmarinpesto

Als Hauptgericht wählte er, der lädierten Zunge wegen, den lauwarmen Linsensalat mit Lauchzwiebeln und Seitanspießen (7, 30 Euro), und erklärte ihn zum "besten Essen dieses Wochenendes". Gutes Essen und ich entschieden uns beide für die Kartoffelgnocchi mit Rosmarin-Walnuss-Pesto und marinierten Kräuterseitlingen (8, 90 Euro). Das Pesto wäre für mich Grund genug, mich für ein Küchenpraktikum im Zest zu bewerben - um herauszukriegen, mit welchen Geräten und Zutaten diese cremige angenehme Konsistenz erzielt wird. Vor etwa einem Jahr habe ich im Zest mal ein Cashewpesto gegesssen, davon träume ich heute noch. Die Kartoffelgnocchi hingegen zeigten gewisse Grenzen der veganen Küche: mit Ei im Teig werden Gnocchi einfach zarter.

schokoladenpannacotta mit balsamicokirschen

Brownies

Auch beim Dessert vermisste ich diesmal ein wenig die tierischen Produkte. Meine Schokoladenpannacotta (3, 90 Euro) war zwar schön bitterschokoladig und traf in der Kombination mit den Balsamicokirschen genau meinen Geschmack, ihr fehlte aber die schmelzende Cremigkeit und Geschmeidigkeit, die sich sonst aus der Kombination von Sahne und Gelatine ergibt, die bei Körpertemperatur im Mund schmilzt. GutesEssens Sojaquarkbrownie (2, 90 Euro) ließ hingegen nichts vermissen und wurde leicht warm serviert. R. bestellte noch ein Sojaeis (die Zunge!) und einen Espresso, den er geschickt an derselben vorbeikippte.

Heute, am Silvesterabend, serviert das Zest ein Menu mit acht Gängen - schade, dass ich nicht dabei sein kann, denn ein Restaurant dieser Klasse haben wir in Berlin noch nicht entdeckt. Gleich gehts raus ans Spreeufer, Feuerwerk gucken. Allen Lesern, die bis hier her durchgehalten haben, ein gutes neues Jahr - und immer einen vollen Kühlschrank.

Samstag, 29. Dezember 2007

Fastfoodwaffeln am Potsdamer Platz



Weihnachtszeit - Zeit der Übelkeit sage ich immer. Und, wie gehts euch da draußen? Ist der Magen nach der Weihnachts-Völlerei halbwegs wieder eingerenkt? Der Lecker-Essen-Haushalt laboriert nach einem unvorsichtigen Selbstversuch mit einem sehr fettigen Döner am zweiten Weihnachtsfeiertag (dazu später eventuell mehr) an leichter Magenverstimmung und betreibt partielle Nahrungsverweigerung.
In diesem Zustand durchtaumelten wir gestern nach einem sehr ausgedehnten Ausstellungbesuch die Potsdamer Platz Arkaden. Ich war schwer unterzuckert und brauche in diesem Stadium einen Kaffee und eine echte Sitzgelegenheit - keinen Stehtisch und keinen Barhocker, wie sie die unwirtlichen Freßabteile im Untergeschoß der Arkaden meistens bereithalten.

Eigentlich schon auf dem Weg nach Hause, wurden wir im Bratwurstbudengewirr am Eingang zur Bahn von zwei Gutscheinverteilerinnen aufgebracht. Zu wehrlos, um zu flüchten, zogen wir mit zwei Gutscheinen für ein Heißgetränk und eine "echte belgische Waffel" für 3,50 Euro von dannen, die wir im IceXoc am Potsdamer Platz 8 sofort einlösten, da der Laden leidlich bequeme Sessel bietet.

Der Cappucino kam schnell, war guter Durchschnitt, in der Situation sehr belebend, wäre mir mit einem Normalpreis von 2,60 Euro für die Qualität aber zu teuer.
Die Waffeln (Normalpreis 1,90) ließen länger auf sich warten, was zunächst gewisse Erwartungen weckte - die leider umgehend enttäuscht wurden. Diese festen, trockenen, außen harten, im Inneren etwas klitschigen gepressten Teigfladen hatten mit belgischen Waffeln, den gaufres, die es dort im Straßenverkauf gibt, wirklich nicht das geringste zu tun. Ich beglückwünschte mich im stillen, dass ich nicht noch eine der möglichen Waffelbeilagen - Eis, Sahne, Kirschkompott - bestellt hatte, und aß die Waffel trotzdem, weil ich die Kohlenhydratzufuhr gerade ganz gut gebrauchen konnte.

Die Fahrt nach Hause verbrachten GutesEssen und ich mit Spekulationen, ob wir gerade einer weltweit operierenden Waffel-Systemgastronomie aufgesessen waren, die ihre Franchisenehmer mit einer Waffelbackmischung beliefert, die nur noch mit Wasser angerührt werden muss. Ein Blick ins Internet belehrte mich, dass sich am Potsdamer Platz allenfalls die Keimzelle dieser Waffelfastfoodkette befindet, die angeblich "ausschließlich natürliche Produkte" verwendet. Nunja, bei Burgerbratern kann man ja jetzt auch Salat essen.

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Tapasperle in Treptow

Tapas sechs in BerlinSollte man nicht den Leuten von BKA und Zitty überlassen

Die Gegend um den S-Bahnhof Treptower Park gehört nun wirklich nicht zu den Zentren gastronomischer Hochkultur in dieser Stadt. Viel Imbisskrams, der übliche Döner plus Begleitumstände (Fettgeruch, billige Getränke, entsprechendes Publikum), die unvermeidlichen Fastfoodketten. Aber gleich hinter dem Parkcenter, dort wo das Parkhaus seinen Inhalt ausstößt, entdeckte Wasabis Nase eine echte Perle, die ich jetzt ins grelle Licht dieses Blogs zerre. Ganz aufgeregt war sie nach Hause gekommen. Da sei eine Tapasbar in der Beermannstraße 6, die müssten wir einfach testen. Auf die Spur gebracht hatte sie köstlicher Duft nach frisch angedünstetem Knoblauch, der aus einem winzigen Lädchen in ihre Spürnase sickerte. Inzwischen haben wir die Geruchsquelle mehrfach besucht und werden es mit Sicherheit wieder tun.

Um es kurz zu machen: Das Tapas 6 ist ein echter Geheimtipp, der es verdient, diesen Status zu verlieren. Das Konzept sieht so aus: Ein grundehrlicher Mann bietet hier im Alleingang grundehrliche, kräftige spanisch-portugiesische Küche zu absolut grundehrlichen Preisen. Kein Firlefanz, keine Folklore, kein Hasta la vista, Baby. Dafür täglich (außer Montag und Sonntag, da macht der Koch Ruhetag) ein halbes Dutzend wechselnde warme Gerichte, vor allem Tortillas und sagenhafte Eintöpfe, eine Karte mit kalten und warmen Tapas, der Serranoschinken wird vor den Augen der Gäste vom Schweinebein gesäbelt. Außer den Getränken ist hier nichts konfektioniert - und an Knoblauch, Olivenöl und Schärfe wird nicht gespart. Es gibt spanisches Bier aus der Flasche und die beiden Hausweine - rot und weiß - sind echte Schmeckerchen. Der Wirt verzichtet auf die (nach meiner Beobachtung) übliche Berlin-Mitte-Taktik, moderate Essenpreise (im Tapas 6 ab ungefähr 3 Euro) mit teuren Getränken zu kompensieren.

Derzeit rekrutiert sich das Stammpublikum vermutlich hauptsächlich noch aus MitarbeiterInnen des benachbarten BKA, die ihre Kantine satt haben. Außerdem könnte man auch Mitglieder der Zitty-Redaktion unter den Gästen vermuten. Die Redaktion des Stadtmagazins residiert nämlich keine 300 Meter entfernt an der Elsenstraße und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Gastroredaktion diese kleine Perle vor Ihrer Nase noch nicht entdeckt haben soll. Ein bisschen Muffe, zu viele Leute könnten jetzt unsere kleine Entdeckung stürmen, habe ich schon. Die Bar hat vielleicht zwölf Sitzplätze, das kann schnell eng werden. Aber da sich das Gute sowieso meist schnell herumspricht, will ich diesmal der erste sein, der einen echten Geheimtipp in die Welt hinausposaunt.

Mittwoch, 26. Dezember 2007

FddF (letzte Folge): Fahren wir nach Merzbach?

Gasthaus Kirchberger Merzbach TrautskirchenWas lockt da in der Dunkelheit?

Gestern hatten wir ein ausgiebiges Weihnachtsmenü. Nach Frühlingsrollen, Ente mit Rotkohl und Semmelklößen, sowie einer ordentlichen Mousse au Chocolat fällt es mir nicht ganz leicht, über vergangene Schlemmereien in Franken zu schreiben. Aber ich hab's versprochen und außerdem ist das Gasthaus Kirchberger in Merzbach im oberen Zenntal unbedingt empfehlenswert.

Seit Wasabi vor paar Jahren die dortige Landküche gekostet hat, ist jede Frankentour zwangsläufig mit einmal essen gehen in dem Bauerndörfchen gekoppelt. "Fahren wir nach Merzbach?" ist keine Frage, sondern ein Befehl - dem ich aber immer gerne nachkomme. Die Anreise ist nicht ganz einfach, ohne Auto geht nichts. Was etwas schade ist, denn der Wirt kredenzt einen überaus delikaten selbst gebrannten Obstler. Wenn man von Westen kommend die Metropole Trautskirchen erreicht hat (bisher einziger bekannter Trautskirchner war der erste DGB-Vorsitzende Hans Böckler), sind es nur noch ein paar Minuten bis in den Ort mit seinen ungefähr 40 Häusern und Ställen. Die Wirtschaft ist nicht zu übersehen. Einfach halten, wo alles zugeparkt ist.


Merzbach liegt vielleicht in der Peripherie, aber die Fahrt lohnt sich

Beim vorigen Besuch hatten wir dort einen hervorragenden Karpfen verspeist. Weil wir aber schon am Vortag bereits jeder ein Exemplar bestellt hatten, griffen wir diesmal zur Wildkarte. Denn neben den üblichen fränkischen Traditionsgerichten (Schweinebraten, Schäufele, Schnitzel, Bratwurst) findet der Gast regelmäßig Gerichte der verfeinerten und ambitionierten Landküche. Wie mir der Wirt erzählte, hat sein Sohn eine Lehre als Koch gemacht und sammelt jetzt Erfahrung. Das lässt hoffen, dass die Kirchbergertradition weiterleben wird, die sich auf regionale Zutaten und auch eigene Tierhaltung stützt.

Wildwochen im Gasthaus KirchbergerVormerken: im November sind Wildwochen!

Als wir eintrudelten waren gerade Wildwochen - mit Wildschwein, Hirsch, Reh, Hase auf der Karte. Wasabi nahm das Wildschweinsteak mit Esskastanien-Weintraubensoße, dazu kross gebratene Kartoffelplätzchen (12,00 Euro). Ich entschied mich für die Wildhasenkeule mit Semmelklößen (10,00 Euro). Zur Einstimmung löffelte ich eine Wildkraftbrühe mit gefüllten Teigtäschchen (3,00 Euro). Derweil spachtelten am Nebentisch drei mächtige Damen ein Menü aus dem traditionellen Kapitel der Speisekarte in sich hinein. Nach einem Riesenteller mit Knoblauchbrot vernichteten sie eine Grillplatte (Berg Fleisch mit Berg Pommes), Karpfen und etwas, das ich nicht sehen konnte. Dann noch schön Spezi und gemischte Eisbecher mit Sahne satt. Übergewicht ist kein Zufall. Hauptsache, es schmeckt.

Entgegen der üblichen Praxis machte ich diesmal keine Fotos von den wirklich äußert appetitlichen Tellern. Denn wir standen unter scharfer Beobachtung der Stammgäste, die in ihrem Dorfgasthof zum Schafkopf ihr Feierabendbier trinken (2,00 Euro der halbe Liter "Tucher Übersee"). Deshalb müssen uns die Leser auch so glauben, dass die Gerichte herrlich angerichtet waren und die Menge auch starke Esser zufrieden stellt. Zusammen mit dem Salatteller und der Vorsuppe - die fast schon als eigene Mahlzeit durchgehen könnte - ließ die (riesige) zarte Hasenkeule leider keinen Platz mehr für die Nachspeisen. Wasabi ging es mit dem Wildschwein ähnlich, und so rundeten wir das Menü mit zwei Espressi ab (je 1,60 Euro). Tatsache: Wirt Helmut Kirchberger serviert einen ausgezeichneten italienischen Kaffee, und das ist für die fränkische Provinz ein ganz außerordentliches Angebot.

Für die an die Wohnung gefesselte Oma bestellten wir noch eine gebackene Karpfenhälfte mit, dazu packte der Wirt eine ordentliche Portion Kartoffel- und Krautsalat (alles zusammen für 7 Euro!). Der Fisch war hervorragend fritiert, einfach perfekt! Das bekommt wirklich nicht jeder so hin. Wir bekamen ihn noch schön warm zur Oma (ihres Zeichens eine legendäre Karpfenbäckerin), die den Karpfen jubelnd in Empfang nahm. Ein bisschen überkam mich dann schon der Neid, als sie dem Tier die krossen Flossen herausdrehte und genussvoll wegknusperte.

Es war wieder ein rundum gelungener Wirtshausbesuch, auch weil wir schlauerweise diesmal unter der Woche eingekehrt waren. Denn gerade am Wochenende ist es in Merzbach häufig rappelvoll - die gute Küche ist in der weiteren Umgebung schon lange kein Geheimtipp mehr, wie andere auch schon festgestellt haben. Also wochentags kommen, sich vorher nach Ruhetagen erkundigen und dann genießen.

Ach ja: Norddeutsche könnten ein paar Probleme mit dem Hörverstehen haben, denn natürlich sprechen außer den Gästen auch die Wirtsleute alle nur fränkisch. Aber die Karte ist in Hochdeutsch geschrieben. Guten Appetit.

Gasthaus Kirchberger
Merzbach 4
90619 Trautskirchen
Telefon 09107/808
Fax 09107/9695

Freitag, 21. Dezember 2007

Frohes Fest!

Ha, endlich Weihnachten. Zumindest anreisetechnisch. Denn ab heute setzt sich der große Reisetrek Richtung Geburtsstätte und Elternheimat in Bewegung. Hier kann ich dem Kolumnisten eines hiesigen Stadtmagazins nur zustimmen: Endlich fahren die ganzen Schwaben, Sachsen, Rheinländer wieder dorthin, von wo sie sich einstmals auf den Weg gemacht haben. Das sage ich als ferkelfrisch Zugezogener ganz frech. Die Auswirkungen merkt man, zumindest bei uns im Viertel, sofort: Unmengen von Parkplätzen sind auf einmal verwaist. Bei der Auswahl konnte ich mich erst gar nicht entscheiden, wo ich mein Auto abstellen soll.

Wie der genannte Kolumnist werden wir die sich offensichtlich entvölkernde Stadt genießen, ein wenig durch vormals chronisch verstopfte Gegenden cruisen und gemütlich das eine oder andere Lokal "zwischen den Jahren" aufsuchen. Keinen weiteren Besuch werden wir den örtlichen Weihnachtsmärkten abstatten, auch wenn für einige der Budenstädte das Fest diesmal bis Silvester dauert (siehe unten).

Die Leckeresser wünschen ihren Lesern schon mal ein schönes Fest - mit einer anheimelnden Impression von der Weihnachtsmarktmeile rund um die Museumsinsel.

Weihnachten in MitteIhr Käuferlein kommet!

Weihnachten, die Zeit der scharfen Messer

Das AusbeinmesserSchön, wenn Messer so richtig scharf sind.

So, Weihnachten kommt. Das wissen wir ja alle. Jetzt wird wieder allerorten gebacken (oder ist das schon wieder vorbei?) und gebrutzelt. Menschen, die ihrem Körper übers Jahr mit Currywurst, Fertigpizza und Kantinenessen malträtiert haben, wollen es nun wissen. Sie kaufen Enten, Gänse, Karpfen, um die Tierchen in Pfanne und Bräter zu hauen. Und dann werden erstmals die teuren Kochmesser ausgepackt, die zusammen mit der neuesten Rezeptschwarte von Tim Mälzertm im Jahr zuvor auf dem Gabentisch lagen. Was Ihr auch tut, liebes Kochvolk: gebt auf eure Finger acht. Neue Messer, vor allem wenn es hochwertige Marken aus Solingen sind, sorgen schon bei leichten Berührungen für tiefe Schnittwunden. Wie zum Beispiel dieses Ausbeinmesser mit seiner flexiblen Klinge. Damit entfleischt sich so eine Schweinshaxe wirklich nullkommanix, ein Finger aber auch, wenn man vorher nur mit stumpfen Blechinstrumenten zu Werke gegangen ist. Frohes Kochfest!

Samstag, 15. Dezember 2007

Friss dich durch Franken IV: Gewürzverkauf im Spielzeugstadion

Die Sache mit den städtischen Beinamen hatten wir ja kürzlich schon. Nürnberg ist aus Tradition Spielzeugstadt, wobei sie immerhin so selbstbewusst ist, sich auf dem Ortsschild nicht so zu nennen. Tatsächlich stammen aus Nürnberg/Fürth und dem Umkreis so ungefähr alle unsere vormaligen Kinderträume aus Plastikspritzguss: Playmobil aus Zirndorf, das Bobbycar aus Fürth-Stadeln und Burghaslach, Bagger und Mähdrescher von Bruder-Spielwaren und die Carrera-Bahn ebenfalls aus Fürth, Ministeck (kennt das noch jemand?) wird in Retzelfembach (sprich: Retzel-femmbach) produziert.

Playmobil sponsert das Stadion der Spielvereinigung Greuther Fürth, das demzufolge Playmobil-Stadion heißt und zu meiner anfänglichen Verwirrung so auch auf Straßenschildern ausgewiesen wird (ich hatte das natürlich mit der Playmobil-Arena verwechselt oder zumindest ein riesiges Playmobilmännchen auf dem Dach erwartet). In Wirklichkeit geht es doch nur um Fußball, aber auch ein wenig ums Essen, denn auf dem Stadiongelände hat auch der Greuther Teeladen, ein weiterer Fürth-Sponsor, einen Fabrikverkauf.



Der Laden bietet so ungefähr jedes heimische Gewächs an, das in eine Teekanne gesteckt und mit heißem Wasser übergossen werden kann, außerdem jeweils mehrere Regalmeter Früchtetees, schwarze, grüne und weiße Tees, Gewürze und Gewürzmischungen. Die Preise sind fabriksverkaufstypisch gering (nur Vanilleschoten kosten dasselbe wie überall), die Mengen manchmal leider auch, das heißt viele Gewürze sind nur in 100-Gramm-Beuteln erhältlich. Wirklich außergewöhnliche Gewürze gibt es nicht - eher das Sortiment eines durchschnittlichen Supermarktregals, dazu auch einige Mischungen, die zum Teil Natriumglutamat enthalten. Also ein guter Anlaufpunkt, um sonst schwer erhältliche Kräutertees zu besorgen, Basisgewürze aufzustocken, die Beute mit einem befreundeten Selberkocher zu teilen und eventuelle Fürth-Fans im Bekanntenkreis mit ebenfalls angebotenen Vereinsdevotionalien zu erfreuen.



Mein Kassenbon wünscht mir nicht nur einen guten Heimweg, sondern fragt auch "Nützen Sie unseren Versandservice? Bitte Versandliste anfordern!" Zwar geben weder Zettel noch Webseite einen Hinweis, wo man diese Liste anfordern kann, aber ich nehme an, dass eine kurze Mail an die Firma genügt.

Montag, 3. Dezember 2007

Knapp kalkuliert, Herr Wirt

Der Wirt der Osteria Mora Mora (Grünberger Straße 69, Berlin-Friedrichshain) ist ja wirklich ein unterhaltsamer Knabe. Macht lustige Löffelratespiele und flirtet mit den Damen. Nur wenn man was bestellen möchte, runzelt er die Stirne und schaut sorgenvoll. Weil wir immer genau das haben wollten, was es nicht mehr gab.

Ein Kärtchen auf dem Tisch lockt mit frischen Muscheln für 8 Euro, J. fragt mit mißtrauischem Augenaufschlag, ob es denn noch welche gebe. Leider nein. Na gut. Dafür serviert der Kellner einen Teller mit leckerem Bruschetta für alle. Ich nehme die Suppe aus Borlottibohnen, laut Karte scharf. Der Koch und ich haben eindeutig unterschiedliche Vorstellungen von Schärfe, außerdem war der Suppenchef nicht verliebt. Oder das Salzfass leer. Eine Rosmarinnadel schwimmt in der Suppe. Ich kann sie nicht schmecken. Die anderen Gerichte fordern ebenfalls massiven Salzstreuereinsatz. M. versucht ihren Linguine nachträglich etwas Pfiff zu geben, was ihr nicht recht gelingt.

Nun wollen wir uns wenigstens noch einen guten Nachtisch gönnen. Tiramisu: ist aus. Also bitte vier Pannacotta. Davon gibt es auch nur noch zwei - die teilen wir uns und finden die klebrige Erdbeersoße etwas zu süß, fast wie verdünnte Marmelade.

Die Preise sind ok, das Getränkeangebot erfreulich, die Atmosphäre ist angenehm rauchfrei, zweideutige aber recht spannende Bilder unterhalten und erfreuen das Auge. Jetzt noch italienische Würze in die Speisen und großzügigere Mengenkalkulation, dann wär's gut.

Sonntag, 2. Dezember 2007

FddF III: Der Aischgründer Karpfen - das Bressehuhn unter den Fischen

Fränkischer Karfen gebackenDa liegt er und wartet, dass man ihm die Flossen ausreißen möge.

Bei unserer Frankentour traf ich natürlich wieder alte Bekannte, die sofort wissen wollten, was ich denn in der Gegend so vorhabe. Wenn ich "Karpfen essen" sage, findet das niemand seltsam. "Soan'gudn wie bei uns grichst sunst närcherdwo!" sagen sie und geben dir gleich noch kostenlos einen heißen Tipp, welche Wirtschaft gerade "Kärbfli" anbietet. Es ist eine echte regionale Spezialität von ausgesuchter Feinheit und Qualität, so wie das Bressehuhn, die Sète-Austern oder die schwarzen spanischen Schweine für den Serrano-Schinken. Nur mit dem Unterschied, dass man die hochrückigen Aischgründer Spiegelkarpfen außerhalb ihres Aufzuchtgebiets meines Wissens nicht kaufen kann.

Auch in ihrer Heimat bekommt man sie grundsätzlich nur in den Monaten mit "R", also September bis April. Wer sie probieren möchte, sollte nicht bis zum Saisonende warten, denn meiner Erfahrung nach sind die knappen regionalen Bestände schon im März größtenteils verspeist. Meistens von den Franken selbst, die sich sofort nach dem Abfischen im Herbst ihre köstlichen Spiegelkarpfen einverleiben. Mit Kartoffelsalat als Beilage. Nein: Diese Tiere schmecken nicht schlammig-moorig-muffig und ihr Fleisch wabbelt nicht! Es ist mager, fest und hat einem nussigen, vollmundigen Geschmack, der leicht ins Süße changiert. Fett ist allein die frittierte Haut, aber panierte Schnitzel und Pommes sind das auch, und darüber beschwert sich kein Mensch. Blau gegart ist er dann extrem mager, aber wie das schmeckt kann ich nicht sagen - ich habe Karpfen niemals anders als gebacken zubereitet gegessen. Außerdem bekommt man kaum etwas Frischeres, denn erst bei Bestellung wird der zappelnde Todeskandidat aus seiner Wanne geholt und küchenfertig gemacht. Nur ein solcher Fisch krümmt sich so appetitlich auf dem Teller.

November ist erfahrungsgemäß ein guter Karfenmonat und unsere Freunde C. und M. hatten sich bereits erkundigt, wo wir ein gutes Stück Fisch bekommen könnten. Unser Wahl fiel auf Burgstall, einem winzigen Ort zwischen Tuchenbach (nur mit dem Auto zu erreichen) und Herzogenaurach. Letzteres kennt man von zwei wichtigen Sportherstellern und einem ehemaligen Fußballnationalspieler, in der Heimat Looda Maddäus ausgesprochen. Hier flechte ich unauffällig ein vollkommen unkulinarisches Detail ein, das in den offiziellen Matthäus-Biografien fehlt. Vielleicht bin ich dabei einem Prahlhans auf dem Leim gegangen, der immer behauptet, den Lothar "vu frieher" zu kennen. Nach dieser Auskunft hat der spätere Star des FC Bayern München die Jugendmannschaft der Frankenhöheauswahl mit seinem Spiel beglückt. Bekanntlich verschwand er dann mit kaum 18 Jahren nach Mönchengladbach. Auch der Karpfen konnte ihn nicht halten. Und Mitspieler, die heute behaupten, sie seien mindestens genauso gut gewesen, kickten bis zu den "Alten Herren" weiter bei Vereinen wie SV Rotweiß Mausdorf, FC Herzogenaurach oder dem TSV Markterlbach. Oder so. Zurück an den Wirtshaustisch.

Der Landgasthof Bär in Burgstall offeriert tatsächlich eine überzeugende Karpfenkarte. C., die sich nicht mit Gräten abmühen möchte, bestellt das Karpfenfilet, von dem sie später auch in den höchsten Tönen schwärmt. M., Wasabi und ich ordern - wie sollte es anders sein - jeweils einen halben Fisch. Der kommt nach angemessener Zeit und bin erstmal erschrocken über die Ausmaße. Während Wasabis 9-Euro-Exemplar genau die richtige Größe hat, überschritt mein Tier eindeutig die Idealgröße - der brachte vor der Halbierung eindeutig mehr als drei Pfund auf die Waage. Eine echte Herausforderung, die mich aber nicht schreckte, denn ich hatte Hunger, vom Appetit ganz abgesehen. Der letzte Karpfenschmaus war schon über ein Jahr her und der erste der Saison ist bekanntlich immer der beste.

Ich fange also an wie immer: Erst drehe ich ihm die knusprigen Schwanzflossen ab, verspeise sie krachend wie Kartoffelchips . Danach kommen die übrigen Extremitäten an die Reihe. Diese hier waren genau auf den Punkt frittiert. Dann arbeite ich mich vom Schwanz Richtung Kopf, ziehe das weiße Fleisch von den großen Gräten - kleine haben die Spiegelkarpfen nur noch sehr wenige. Köstlich. Zartnussig, schmelzend auf der Zunge. Der Kartoffelsalat, nach einheimischer Art ohne Mayonaise zubereitet, passt hervorragend dazu. Ein kleiner Wermutstropfen im Genuss allerdings war die Panade, die zu viel Fett aufgesogen hatte. Es könnte sein, dass das Fritieröl eine Spur zu kalt war, sei es dass die Küche zuviele Fische gleichzeitig garen wollte, sei es dass unser Exemplar einfach zu riesig war und die Friteuse deshalb zu stark abkühlte.

Milch und Rogen vom KarpfenKeine Ahnung wie man das schreibt: Fränkinnen und Franken sprechen es wie "Ing-graisch" aus.

Der Fisch selbst aber war hervorragend - keine Spur von Teichmuff (der mir, ehrlich! vollkommen unbekannt ist), nur vollmundiges weißes Fleisch. Als ich endlich beim Kopf angelangte und die Bäckchen aufknackte, musste ich den Gürtel lockern. Das lag aber auch an dem riesigen Teller mit Ingraisch, das M. als echter Kenner gleich mitbestellt hatte und an dem ich mich, geben wir es ruhig zu, eine Spur zu gierig bediente. Ingraisch (in der guten Wirtschaft gibt es das immer kostenlos dazu!) - das ist nichts anderes als Milch und Rogen vom Karpfen. Man kann sich natürlich bei der Vorstellung schütteln, ausgebackenes Fischsperma zu essen. Aber es schmeckt wirklich wunderbar, leicht sahnig mit einer kremigen Note und gar nicht fischig. Der Kenner bestellt es mit den Worten "Hamm sie a Ingraisch?" oder "Kämmer a Ingraisch hoom?" - sonst isst es die Küchenbesatzung selbst auf oder verschachert es an der Hintertür an die Stammgäste. 12,30 kostete meine Riesenhälfte, die mich sättigungstechnisch ans Limit brachte. Wasabi verspürte auch nach ihrem Exemplar keinen Hunger mehr, M. ließ sogar ein Stückchen übrig.

Fazit: Hervorragende Karpfen, preislich durchaus im gehobenen Mittelfeld. Leider wurde beim Backen ein bisschen daneben gegriffen. Wie sagte Wasabi, als wir recht gestopft zurückfuhren: "Punktgenaues Fritieren ist schon eine Kunst...". Stimmt. Wer es perfekt beherrscht, verraten wir in einer der letzten beiden FddF-Folgen.

Ein Besuch im Landgasthof Bär ist aber auf jeden Fall empfehlenswert. Bevor man aber zur Fahrt in die ländliche Ödnis aufbricht, ist ein Anruf ratsam. Sonst freut man sich auf einen schönen Karpfen mit Salat und dann haben die Franken schon alles selbst verdrückt.

Landgasthof Bär
Burgstall 29 - Herzogenaurach
Telefon 09132/747260

Donnerstag, 29. November 2007

Friss dich durch Franken II: Dönerstadt Fürth

Meiner eigenen kleinen Welterklärungstheorie zufolge machen nur Städte, die es sehr, sehr nötig haben, mit erklärenden Attributen auf sich aufmerksam. Bei richtigen Städten reicht der Name auf dem Ortsschild, jeder weiß, was gemeint ist, sie sind, was sie sind. Nicht jedoch bei Städten wie Hannover – der Expo- und Messestadt – oder gar der Gneisenaustadt Schildau, die sich wohl nicht getraut hat, als Schildbürgerstadt aufzutreten. Diese Attribute haben immer etwas unsouveränes – als müsse man dem Besucher gleich am Ortsschild einen Grund zum Bleiben liefern.

Fürth, der Mittelpunkt unserer kulinarischen Reise durch Franken, macht in dieser Hinsicht leider gleich dreifach eine schlechte Figur. Auf einem braunen Hinweisschild an der Autobahn stellt sich Fürth als „Solar- und Denkmalstadt Fürth“ vor. Solarstadt, meinetwegen, die Fürther haben Solarzellen auf ihrem Müllberg, und das haben wahrscheinlich nicht viele Städte. Denkmalstadt – wer schon mal in Fürth war, kommt da ins Grübeln, denn Spektakuläres gibt es dort nicht. Nun ja, Fürth hat die höchste Baudenkmaldichte Bayerns, gemessen an der Einwohnerzahl. Dieser Superlativ erinnert mich an die „älteste selbst produzierende Bäckerei in Nord-Gohlis“, in deren Nähe ich mal gewohnt habe. Letztes und neuestes Attribut auf dem gelben Ortsschild: Die „Wissenschaftsstadt Fürth“, die potentiellen Investoren sagen will: Hier seid ihr richtig!

Sollten die Fürther noch einen weiteren erklärenden Zusatz wünschen, hätte ich da einen Vorschlag: Dönerstadt Fürth. Ehrlich, den bisher besten Döner habe ich nicht in Berlin verspeist, sondern hier, in einem unauffälligen Laden namens Dürüm-Haus. In der Fürther Altstadt befindet sich vermutlich die höchste Dönerimbissdichte Bayerns, gemessen an der Einwohnerzahl. Wunderbarerweise führt dies nicht zu Dumpingexzessen mit Ein-Euro-Billigdönern wie in anderen Städten, sondern zu erhöhter Qualität: Döner besteht in Fürth tatsächlich aus echtem Fleisch. Einheimische berichten, dass zwar ab und an ein Imbissneuling versucht, mit dem herkömmlichen Schaumfleisch (Dank an Evelyn Roll von der Süddeutschen Zeitung für diesen präzisen wie anschaulichen Begriff) zu reüssieren, diese Experimente sind aber, trotz des geringeren Preises, nicht von langer Dauer.



Das Dürüm-Haus in der Königsstr. 98, schräg gegenüber vom sehenswerten Jüdischen Museum, sieht zugegeben wie ein ganz durchschnittlicher Dönerimbiss aus: Links eine Glastheke mit den Salatzutaten und etwas türkischem Gebäck, Sitzbänke und -Stühle mit Stoffpolstern in psychedelischen Mustern, vorne ein paar Spielautomaten, an der Rückwand eine wandfüllende Malerei, die einen Wasserfall darstellt. Döner im Fladenbrot (3 Euro) serviert der Chef selbst, seine Frau werkelt in der Küche und wärmt zum Beispiel die Suppen (Hühnersuppe, Linsensuppe, Kuttelsuppe). Das Fleisch ist erkennbar echtes Fleisch, von Hand aufgeschichtet und kräftig gewürzt. Auch Fladenbrot und Knoblauch-Joghurtsoße schmecken selbstgemacht. Außerdem kann man auch Lammspieße ordern, Salate, verschiedene Reismischungen und Gemüse.

Seit dem ersten Fürther Döner vor einigen Jahren habe ich dem Normaldöner abgeschworen und bin nun auf der Suche nach Döner in vergleichbarer Qualität. Im Leipziger Alexandrina in der Karl-Liebknecht-Straße gab es vor Jahren einmal auch solche Spieße – leider nur wenige Monate, dann stiegen sie auf das Billigprodukt um. Irgendwo im großen Berlin wird es Döner aus Fleisch geben, da bin ich mir sicher. Auf einem ersten Erkundungsgang über mehrere hundert Meter Sonnenallee – vom gleichnamigen S-Bahnhof nach Norden bis zur Wildenbruchstraße – sichtete ich leider nur Schaumfleisch in allerdings beeindruckenden Dimensionen. Ich hoffe auf Tipps von kundigen Lesern.

Mittwoch, 28. November 2007

Friss dich durch Franken I: Die Zeitblase

Hat sich von unseren vier Stammlesern schon jemand gefragt, wo die neuen Geschichten aus der Fresswelt bleiben? Tja, gut Ding will Weile haben, wie ein prähistorisches aber immer noch wahres Sprichwort sagt. Denn die Leckeresser waren auf Recherchereise, hatten sich für ein paar Tage aus Berlin Richtung Süden davongemacht. In das Land, wo Schwein und Karpfen den Menschen die Bäuche runden und das gute Bier seinen Teil dazu gibt: nach Franken, dieser Region im Norden des Bundeslandes Bayern, deren Bewohner selbstredend keine Bayern sind. Aber das ist eine andere Geschichte, die hier nicht weiter diskutiert werden soll.

Zum Auftakt landeten wir in der weithin recht unbekannten Stadt Fürth, obwohl (oder weil?) Heinz Alfred Kissinger, besser bekannt als Henry, die ersten 10 Jahre seines Lebens dort verbracht hatte. Fürth ist derzeit noch 1000 Jahre alt, wurde nun doch noch berühmt. Durch Gabriele Pauli, obwohl die als Landrätin in Zirndorf residiert, einem nun wirklich unbedeutenden Örtchen. Soviel zur jüngeren Stadtgeschichte.

Café Philodendron, Fürth AmalienstraßeEs war einmal ein gymnasialer Freitzeitpark in der Fürther Südstadt

Nach Überfahren der Stadtgrenze zog es mich unwiderstehlich in die Südstadt ins Café Philodendron in der Amalienstraße 22. Vor ungefähr schon ganz schön vielen Jahren hatte ich dort einen ansehnlichen Teil meiner gymnasialen Oberstufe mit Schafkopf und Backgammon verbracht. Wasabi konnte sich das sofort sehr gut vorstellen, denn es hatte sich in den ziemlich vielen Jahren praktisch nichts verändert. Außer dass die schulschwänzenden Schüler fehlten. Da standen immer noch die selben Sofas und Thonetstühle exakt an den gleichen Stellen wie vor dem Mauerfall, der Linoleumboden im Obergeschoß war der gleiche, die Philodendren (Name!) in den Fenstern gewuchert. Einziger Unterschied: eine Reihe Internetrechner.

Von Nostalgie überwältigt (nur ich) bestellten wir einen Cappuccino. Die Zeitblase zerplatzte unverzüglich und ich erwachte im Jahr 2007. Der Kaffee war viel zu kalt, schmeckte leicht nach Zwiebelsuppe. Als ich zahlte, stellte sich heraus, dass wir unverlangt zwei große Cappuccino zu 2,80 Euro serviert bekommen hatten. Das sei immer so, erfahren wir. Wenn wir einen normalen möchten, müssten wir das vorher sagen, sagte die Bedienung. Das weiß man vielleicht als Stammgast. Der ich bestimmt nicht wieder werde. Tschüss, altes Phi, das war's dann.

KaffeBohne Fürth GustavstraßeManche Dinge verändern sich wirklich nicht

Nach einem längeren Spaziergang landeten wir in der Fürther Kneipenmeile, der Gustavstraße. Mit Appetit auf einen guten Cappuccino steuerten wir das Café Kaffeebohne, kurz Bohne, an. Und wieder der Sprung in die Zeitblase: gleiche Möbel, die Bar unverändert. Der Kaffee: gut! Und auch das Riesenbaguette namens Bohne Spezial gibt es noch immer. Allerdings kostet jetzt ein halbes 2,75 Euro. Dass es für 6,50 Märker mal ein ganzes gab, ist nun doch schon ein paar Jährchen her. Ansonsten: dunkles Gestühl, schummrige Atmosphäre, alle Gäste reden fränkisch. Sehr angenehm. Auch der Doppelpunkt liegt noch aus, wenn auch ohne kleine Grußanzeigen für mich. Bohne: beim nächsten Besuch komme ich wieder. Auf das Baguette werde ich verzichten. Mag sein, dass es das gleiche wie vor ziemlich vielen Jahren ist. Aber gegen den durchschnittlichen Fürther Döner schmeckt auch die beste Spezialsoße ziemlich blass.

Die Bar in der BohneKaffee gut in der Bohne

Donnerstag, 15. November 2007

Des Apfels benachteiligte Schwester



Weihnachten naht. Damit nicht nur die Zeit der Lichterketten, sondern geschmacks- und geruchstechnisch die Zeit von Zimt und Nelken. Bei Zimtsternen lasse ich mir das ja noch gefallen, ich leide hingegen, wenn jedes Dessert, jedes Getränk, jedes Gebäck und womöglich noch Badezusätze und Spülmittel mit dieser nicht gerade subtilen Gewürzkombination zugeballert werden. Von Duftkerzen ganz zu schweigen, das ist Teufelswerk.

Besonders gefährdet ist dabei die Birne – eine sowieso in jeder Hinsicht benachteiligte Frucht, verglichen mit anderem Obst. Da sind einmal die für beide Seiten unschmeichelhaften Vergleiche mit menschlichen Schädeln im allgemeinen und Ex-Kanzlern im besonderen. Dann tritt die Birne in unseren Breiten in verarbeiteter Form fast nur als Kompott mit Zimt und Nelken auf - eine Kombination so zwangsläufig und einfallsreich wie Würstchen mit Senf oder Eisbein mit Sauerkraut. Arme Birne! Dabei hat die Birne den Gewürzschock gar nicht nötig, im Gegenteil, Zimt und Nelken verdecken nur ihren feinen Eigengeschmack, den ich fast als parfümiert bezeichnen möchte. Beim Essen einer reifen Birne denke ich viel eher an den Frühling und an die Birnenblüte, als an den Herbst und Weihnachten.
Mein Lieblingsprodukt aus Birnen ist Birnen-Preiselbeer-Marmelade nach einem Brigitte-Rezept von 2001. So birnig schmecken sonst nur noch Geleebirnen mit Aroma aus Holzminden. Der Preiselbeersaft wirkt hier quasi als Geschmacksverstärker, daher lohnt es sich, mal drei Euro für ein winziges Fläschchen anzulegen.

Aber jetzt zur Marmelade (4 Gläser):

700g Birnen, geschält in kleinen Würfeln (d. h. ein Kilo kaufen, schälen, würfeln, 700g abwiegen)
0,33l Preiselbeersaft (gibt es in dieser Packungsgröße im Bioregal)
350g Zucker
ein Päckchen Gelfix 1:3 (mit dem Zucker mischen)
1 Päckchen Zitronensäure

Alles zusammen langsam erhitzen und mindestens drei Minuten kochen lassen. Je nach Zustand der Birnenwürfel diese etwas mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken, so dass eine sämige Masse entsteht. Nach drei Minuten probieren (aber nicht mit Finger und/oder Zunge - kochende Zuckerlösung wird sauheiß!), ob die Masse schon geliert: Dazu einen Klacks auf einen Teller tropfen, wenn er nach dem Abkühlen Marmeladenkonsistenz hat, ist die Marmelade fertig, ansonsten noch etwas länger kochen lassen und die Gelierprobe wiederholen.
Die Marmelade in heiß ausgespülte Gläser füllen, verschließen und fünf Minuten auf den Deckel stellen.

Nach längerer Lagerung scheint sich der Birnengeschmack der Marmelade sogar noch zu verstärken. Das letzte Glas, geöffnet etwa nach einem halben Jahr, ist immer das beste. Das herrliche Mus schmeckt nicht nur zum Frühstücksbrötchen sensationell, sondern passt auch sehr gut zu Joghurt oder Waffeln oder dünnen Crêpes oder dicken Pfannkuchen. Wenn ich nicht vor dem Umzug alle gesammelten leeren Marmeladengläser weggeworfen hätte, würde ich auch noch dieses Rezept für Birne-Helene-Marmelade ausprobieren, solange noch Birnenzeit ist.

Sonntag, 11. November 2007

Blutwurst mit Ritterschlag

Berliner BlutwurstDas ist was zum Essen

Gestern abend habe ich eine Weltmeisterin und dreifache Europapokalsiegerin verspeist. Mit gebratenen Zwiebelringen, geschmorten Apfelscheiben und Kartoffelbrei. Auf dem Bild ist sie zu sehen, mit einem Mitglied der gleichen Siegermannschaft. Und ich muss zugeben:

Es war die verdammt nochmal beste Blutwurst in meinem an Blutwürsten bisher nicht gerade armen Leben.

Nun komme ich aus einem Landstrich, der mit außerordentlichen Würsten und andere Schweinereien glänzt. Aber erst in der Fremde begriff ich langsam und schmerzlich, dass ich in einer in dieser Hinsicht gebenedeiten (ein Lieblingswort meines Freundes U.) Gegend aufwachsen durfte. Nach vielen Enttäuschungen und wenigen Lichtblicken (Thüringen!, die Sülze vom Linkehof) hatte ich meine Lektion gelernt. Seither bin ich erstmal mißtrauisch, wenn mir jemand gute Schlachtereiprodukte verspricht.

Deshalb hätte ich niemals eine so wunderbare Blutwurst ausgerechnet in Berlin vermutet. Vielleicht als Importprodukt im KaDeWe oder bei einer der anderen zahlreichen Feinkostadressen. Aber nicht nativ, nicht genuin berlinisch, wenn ich das mal so verschwurbelt formulieren darf. Durch Zufall hätten wir die Heimat dieser Delikatesse - die Blutwurstmanufaktur am Karl-Marx-Platz in Neukölln-Rixdorf - wohl nicht gefunden, hilfreich war hier wieder mal die Zitty mit ihrem Spezialheft zum Essen und TrinkenShopping.

Also machten wir gestern einen kleine Abstecher nach Neukölln, ist ja nicht weit von zuhause. Im Einkaufsbeutel landeten die beiden Blutwürste. Ich ließ mir von der berlinernden Verkäuferin noch ein Stück Bauernleberwurst und ein paar Scheiben Prager Schinken abschneiden. Zum Abendessen brieten wir uns dann auf kleiner Flamme die beiden Blutwürste in Butter. Der erste Bissen war gleich eine Offenbarung. Sie ähnelt in der Konsistenz der französischen Boudon Noir, wie wir sie in Frankreich wegschnabulieren durften. Das Berliner Produkt ist aber noch besser, wenn ich meinem Geschmacksgedächtnis trauen darf. Die kremig-körnige Geschmeidigkeit wurde nicht durch zuviel Fett erkauft, in der raffinierten Würzung schmeckt keine der Zutaten durch. Gerade der Majoran ist ein gefährliches Kraut. Zuviel davon und man hat das Gefühl, auf Kräuterbadezusatz herumzukauen. Hier stimmt alles! Der Geruch, Konsistenz, Geschmack, Aussehen.

Ungefähr 170 Gramm soll so eine Wurst haben. Ich hätte auch zwei davon verspeist. Das hat diesmal Wasabi verhindert, die ihre Portion "ohne schlechtes Gewissen" genoss. Am Ende gab sie mir sogar noch ein Stückchen ab. Danke! Leider hat es meinen Appetit nur noch befördert. Schade, dass heute Sonntag ist. Da lässt auch der Metzger die Messer ruhen. Aber es ist ja noch ein bisschen was von der ebenfalls exorbitant guten Leberwurst da. Und ein bisschen Prager Schinken. Aber nur noch eine Scheibe. Ich hör jetzt mal auf. Muss eben in die Küche, mir ne Stulle schmiern.

Ach ja. Für sein Paradeprodukt wurde der Metzgermeister zum Chevalier du Goûte Boudin (Ritter der Blutwurst) geschlagen, nachdem er beim wichtigsten Blutwurstwettbewerb der Welt ein paar Gold- und sonstige Medaillen damit abgeräumt hat. Hat er verdient. Er ist übrigens kein gebürtiger Berliner, sondern Thüringer. Das erklärt eigentlich alles...

Mittwoch, 7. November 2007

Traumhafte Teigwaren in Mitte



Es gibt nichts Neues unter der Sonne. (Prediger 1,9) – jedenfalls in der großen Stadt. Hatte ich nicht vor kurzen über mediterrane Semmelknödel mit getrockneten Tomaten phantasiert und diese Zusammenstellung für eine – meine - originelle Idee gehalten? Ein Besuch im Leo Bettini (Mitte, Mulackstraße) belehrte mich eines besseren.

Da gab es nämlich genau diese Knödel, und auch welche mit Käse, Pilzen oder Spinat, auf Südtiroler Art zu dreien mit zerlassener Butter und Parmesan serviert (7,90 Euro). Oder auch einzeln in einer Brühe (3,90). Außerdem gibt es hausgemachte Pasta mit wechselnden Saucen und Ravioli mit wechselnden Füllungen (fünf Stück mit Butter und Parmesan 7,90 Euro). Die Ravioli mit Kürbisfüllung waren so gut, dass ich die gar nicht mehr selber machen muss. Die zweite Sorte am Testtag, eine Kräuter-Käse-Füllung, schön kräftig und grünpfeffrig. Vor allem sind bei Leo Bettini die Ränder der Ravioli genauso gar wie die einfache Lage Nudelteig um die Füllung herum, das gelingt nicht vielen Köchen (mir übrigens auch nicht).

Für die Südtiroler Apfelknödel (3,90 Euro) reichte die Magenkapazität leider nicht mehr, aber eine köstliche Kugel Pflaumensorbet (1,90 Euro) ging noch rein. Dann noch einen guten Kaffee und zufrieden zurücklehnen – aber hoppla, ich sitze ja auf einem der kleinen weißen Hocker. Die Einrichtung ist ein wenig spartanisch, vom großen Schweden, da ich aber den Ikea-Katalog kürzlich auswendig gelernt habe, kann ich alle Teile mit Namen anreden, was trotz fehlender Rückenlehnen gleich ein gewisses Gefühl des Zuhauseseins erzeugt, ebenso wie die überaus freundliche Bedienung.



Also kurz gesagt: Mjam! Ein Spezialrestaurant ganz nach meinem Geschmack. Da hat jemand eine (gute) Idee gehabt, sie am passenden Ort gut umgesetzt und das, ohne sich haltlos zu verschulden. Abends hat das Leo Bettini geschlossen, aber man kann Pasta und Knödel auch zum Mitnehmen erwerben und sie sich zu Hause selbst kochen und dazu diesen Artikel (pdf) lesen über eine der Gründerinnen und wie alles kam.

Montag, 5. November 2007

Das Spiegelei

Manche sagen, es wäre nur ein Ei. Ich sage das nicht.

Schon glüht auf des Gases Flamme
Der Küche beste Eisenpfanne.
Im Pappkarton steht noch daneben
In seiner Schal des Huhnes Kind, geboren auf dem Biohof.
Was es nicht weiß: es geht ihm gleich ans Leben.
Doch Eier haben weder Aug' noch Ohr, noch Nerv zum Beben.
Sonst wärs schon für das kleine Ding recht doof.

Mit sanftem Griff greif ich danach.
Der Ruch ist böse, doch ich lach
Als mit Schwung das Ei, das zarte,
Zerschellt an der Pfannen Kante
(das gute Stück schenkte mir ne Tante!)
Die Butter zischt, das Ei gerinnt! Ich warte.
Wie würd' das Herz der Henne bluten
Wüsst sie um die schlimme Tat.
Die da geschah vor Minuten.

Mir ist das völlig piepegal,
Groß ist der Hunger auf das Spiegeleiermahl.
Ein wenig Salz, ein bisschen Pfeffer darf nicht fehlen,
Dann ist es auch schon weg, ich wollt das Ei nicht länger quälen.

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Vom alten Brot zum Semmelknödel

Semmelknödel mit Pilzsoße

Selbstgemachte Semmelknödel sind ein überaus leckeres, preiswertes, resteverwertendes und vegetariergeeignetes Essen. Jetzt im Herbst zum Beispiel gut mit einer Rahmsauce aus selbst gesammelten oder selbst gekauften Pilzen, natürlich als Beilage zu allen möglichen soßigen Fleischgerichten und ganzjährig mit Tomatensauce und Parmesan. Selber machen ist nicht schwierig, braucht aber etwas Erfahrung.

Die gute Hausfrau nimmt für Semmelknödel Brötchen vom Vortag, die den Vorteil haben, dass sich der Feuchtigkeitsgehalt von Brötcheninnerem und –äußeren schon angeglichen hat. Da ich häufig am Vortag noch nicht weiß, dass ich Semmelknödel machen möchte, sammele ich ständig Brötchenreste, Weißbrot, Baguette und Ciabatta. Getrocknet hält sich das so lange, bis mal wieder Knödel fällig sind. Diese Reste müssen gut einweichen und man kann sich mit der Flüssigkeitsmenge leicht vertun.
Für den ersten Knödelversuch (ergibt 7 Stück) empfehle ich daher vorausschauendes Einkaufen von vier Brötchen, zwei Eiern, einer kleinen Zwiebel, 250ml Milch und für den Notfall etwas Semmelbröseln oder Mehl.

Am nächsten Tag werden die vier Brötchen in dünne Scheiben von etwa 5mm Dicke geschnitten. 250ml heiße Milch darübergießen, und umrühren, so dass alle Scheiben benetzt sind. Das kann jetzt getrost erst einmal eine Viertelstunde in der zugedeckten Schüssel einweichen. In der Zwischenzeit eine kleine Zwiebel sehr fein hacken und dazugeben, nach Wunsch auch etwas Petersilie.

Die Brötchenscheiben sollten die Milch mehr oder weniger aufgesaugt haben. Kräftig mit Salz, Pfeffer und etwas Muskat würzen und zwei Eier unterrühren. Jetzt sollte sich in der Schüssel ein zusammenhängender Teig befinden, ohne trockene und harte Stücke. Also lieber länger als kürzer weichen lassen und alles mit einem Holzlöffel oder den Händen ordentlich durchmatschen. Wenn der Teig zu trocken ist, wahlweise etwas Milch zufügen, wenn die Masse zu flüssig zum Formen ist, etwas Semmelbrösel einarbeiten.

Semmelknödelteig

Die richtige Konsistenz lässt sich nur schwer beschreiben und auch nur schwer abbilden, daher empfiehlt sich ein Test mit einem Probekloß. Ich mache das auch immer, da es Semmelknödel nur in so großen Abständen gibt, dass ich nie in ein routiniertes Semmelknödelgefühl reinkomme.
Dazu einen großen, eher breiten als hohen Topf Salzwasser bis zum Kochen erhitzen und zunächst einen kleinen Kloß (Golfballgröße) hineingeben. Die Temperatur muss man so regulieren, dass das Wasser nur ganz leicht kocht, mit wenigen kleinen Blasen, die vom Topfboden aufsteigen. Der Kloß sinkt zunächst auf den Topfboden und steigt nach einigen Minuten majestätisch wieder nach oben. Manchmal hängen sich die kleinen Biester am Topfboden fest, so dass man sie mit einem Kochlöffel vorsichtig anstupsen muss. Nach 15 bis 20 Minuten ist der Knödel gar, und wenn er gut ist, ist er im Inneren elastisch und trocken. Jetzt kann man probieren, ob genügend Salz und Pfeffer dran ist.

fertiger Probekloß

Wenn der Teig noch nicht optimal ist, zeigt sich das meistens innerhalb von zehn Minuten. Erodiert der Kloß, saugt er sich voll Wasser und lösen sich einzelne Brocken ab? Dann sind die Brötchenpartikel wahrscheinlich noch zu trocken, brauchen mehr Milch oder Ei und müssen noch etwas durchweichen. Auch etwas Mehl kann helfen, dann sind die größeren Stücke besser im Teig gebunden. Wenn der Kloß innen noch schmierig ist, ist er noch nicht richtig gar. Alles in Ordnung? Dann das Wasser noch einmal zum Kochen bringen, mit nassen Händen Knödel, diesmal im Tennisballformat formen und ab damit.
In den zwanzig Minuten, die jetzt noch bleiben, kann sich Koch oder Köchin bequem der Vollendung der Beilagen widmen.


Sollten Knödel übrigbleiben, halten sie sich gut verpackt einige Tage im Kühlschrank und schmecken ganz ausgezeichnet, wenn man sie in Scheiben schneidet und von beiden Seiten in Butter brät.

Semmelknödel für Fortgeschrittene

Zwei schmackhafte Abwandlungen des Semmelknödels aus der (Süd)Tiroler Küche, die dort mit zerlassener Butter und geriebenem Parmesan als Vorspeise serviert werden, aber mit einem Salat auch eine ganze Mahlzeit bilden können.

Für Käseknödel kommen in die Knödelmasse noch zwei Handvoll (etwa 100g) kräftiger Bergkäse, in ganz kleine Würfel (etwa 5mm Kantenlänge) geschnitten.
In die Speckknödel kommt der berühmte Tiroler Speck, ebenfalls in kleinen Würfeln und vorsichtig angeröstet. Man kann auch 100g anderen durchwachsenen Speck würfeln und die Würfel bei mittlerer Hitze auslassen, bevor sie (ohne das ausgebratene Fett) in die Masse wandern.

Weitere Abwandlungen sind sicher denkbar – zum Beispiel könnten einige gewürfelte getrocknete Tomaten und gehackte Basilikumblätter statt Petersilie interessante mediterrane Semmelknödel ergeben. Oder hat schon mal jemand Semmelknödel mit gehackten Walnüssen im Teig und Gorgonzolasauce als Beilage versucht? Semmelknödel mit Safran-Zitronenwürzung zu Fisch? Süße Semmelknödel? Wenn ich noch länger drüber nachdenke, könnte es eigentlich fast jeden Tag Semmelknödel geben.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Da müssen Sie frrrüher aufstehen, Senor!

Gestern sind wir gaaanz spontan über den Wochenmarkt am Maybachufer geschlendert. Na gut, wir wollten da eh mal hin, aber die Idee war immerhin so spontan, dass ich ohne Digiknipse unterwegs war. Deshalb gibts kein Foto. Über drei Häuserblocks, bis zum Kottbusser Damm, reihen sich Käsebuden, Fischstände, Bäcker, Gemüsehändler auf beiden Seiten der Straße aneinander. Dazwischen Berge von billigen Klamotten und Stoffen. Proppenvoll dort. Laut, voller Gerüche. Für Leute mit Angst vor großen Menschenansammlungen und engen Gassen dürfte das nicht sehr vergnüglich sein.

Eigentlich wollte ich ja nichts kaufen. Am Ende hatten wir frischen Tintenfisch, bulgarischen Schafskäse, Bamberger Hörnle und Teltower Rübchen im Einkaufsbeutel. Auf dem Rückweg wollte ich noch ein paar Churros mit Schokolade essen. Durfte ich aber nicht. Eiskalt ließ der Churrofriteur mich abblitzen. "Gibt nix mehr, müssen Sie früher aufstehen, Senor!". Der Markt geht bis 18 Uhr, es war 17.30 Uhr. Fand ich nicht nett. Aber die glasierten Teltower Rübchen mit Kalamari,gebraten in Olivenöl, halfen mir über den Schmerz hinweg. Echtes Cross-over: Mediterran trifft auf Brandenburg. Meine ersten Teltower Rübchen. Haben sich übrigens prächtig mit den zehnarmigen Schlingeln verstanden. Erstklassig.

Montag, 15. Oktober 2007

Morena - mehrheitsfähig mit Seele

Notebook unter spanischen Fliesen im MorenaComputerautisten im Café nerven? Dann ab in die notebookfreie Zone

Seit ungefähr vier Tagen grüble ich drüber nach, was ich über das Café Morena in der Wiener Straße schreiben könnte. Das klingt für den Leser erstmal nach ... Profillosig- und Beliebigkeit, nach Langeweile und geh'ichabernichtwiederhin. Genauso aber ging's mir nicht, als wir das Kreuzberger Café an der Ecke zum Spreewaldplatz für unseren zweiten luups-Test auswählten.

Der Laden ist gemütlich im besten Sinn - man sitzt gerne dort zwischen spanischen Kacheln und Holzvertäfelung, die Bedienung ist aufmerksam und der luups-Gutschein wird ohne Diskussion akzeptiert. Der Cappuccino kommt, wie Wasabi nicht müde zu erwähnen wird, mit einem köstlichen Nougatröllchen. Gut schmecken tut er auch.

Irritiert war ich von der Speisekarte. Asiatisch, deutsch, rustikal, mediterran. Aber keine Tapas. Da hatten mich Name und Fliesen auf die falsche Fährte gelockt. Insgesamt ist die Karte wie das Ambiente: mehrheitsfähig. Lammburger (sollen der Klassiker sein) und Rouladen locken an diesem Abend nicht. Ich nehme die Krabben in Knusperteig mit Salat und Mangochutney (6,20 Euro), Wasabi den vegetarischen Teller mit gefüllten Kartoffelteigbällen und panierten und gefüllten Auberginenscheiben (6,50 Euro). Den Knusperteig hätte ich anders erwartet, er stellt sich als eine Art frittierter Frühlingsrollenteig heraus, in den die Krabben eingewickelt sind. Schmeckt aber sehr gut, vor allem mit dem würzig-süßem Mangochutney. Das hätte von der Menge her durchaus für eine zweite Portion gereicht. Wasabi mag ihre frittierten Kartoffelbälle. Ihr Salat hat auch ein gutes Dressing, meiner kommt fast ein wenig zu trocken daher.

Nach der Bionade trinke ich noch ein echtes Budweiser (tschechisch versteht sich). Während ich an der Flasche nuckle (sind Gläser eigentlich total aus der Mode?) läuft vor mir die allabendliche Diaschau ab. Davon bekommen die Internet-Surfer rechts und links von uns nichts mit, der WLAN-Hotspot scheint ordentlich zu funktionieren. Der Notebookautismus ist aber nur an ein paar Tischen erlaubt, neben dem Eingang beginnt die die computerfreie Zone. Und wenn man der Webseite des Morena trauen darf, ist nach 19 Uhr Schluss mit der Online-Bloggerei. Oder was die Leute mit dem starren Blick dort auch immer tun. Dann wird gefeiert. Am Sonntag müssen die Gäste übrigens auch den Laptop zuhause lassen. Da sollen sie gefälligst frühstücken.

Montag, 8. Oktober 2007

Currywurst reloaded - Leipzig vs. Berlin

Insgeheim, aufmerksame Leser werden es längst erkannt haben, steht dieses Blog im Zeichen der Currywurst. Alle mundwässernden Artikel über Kalbsleber alla veneziana und andere hochgestochene Schweinereien dienen nur dazu, diese Tatsache zu verschleiern. Da war im März 2007 die Currywurst-in-Leipzig-Diskussion unter reger Beteiligung der Leser, jetzt unser Umzug an den Geburtsort dieser Spezialität. GutesEssen testete im Juli und August einen Wurstimbiss in der Kastanienallee und die vielgepriesene Kultwurst bei Konnopke.
Jetzt endlich kann ich wursttechisch gleichziehen: In den vergangenen Tagen verzehrte ich sowohl eine Currywurst im Hotel Seeblick in Leipzig, als auch endlich meine erste original Berliner Wurst.


Das Leipziger Exemplar konnte nur in punkto Portionsgröße überzeugen: Für 3,50 Euro bekommt man einen Haufen Pommes frites (am Testtag leider etwas zu blass und leicht knurpschelig), darauf eine in Scheiben geschnittene Wurst (Art Bockwurst), übergossen mit einer sehr tomatenmarkbetonten Soße, die auffallend der süßlichen Tomatenpampe ähnelt, die im Lokal leider auch zu Spaghetti gereicht wird. Das aufgestäubte Currypulver gibt immerhin etwas Schärfe, ansonsten: ein flaues und liebloses Essen.



Meine Berliner Wurstinitiation fand schließlich am Tag der Deutschen Einheit im tiefsten Berliner Westen statt - an einer Bude unter der S-Bahn-Brücke am Anfang der Kantstraße, nahe Gedächtniskirche und Bahnhof Zoo.
Die Hauptstadtwurst, gebraten mit Darm, von Hand geschnitten, wird für Hieresser mit Brötchenbeilage auf einem Blatt Butterbrotpapier gereicht, dazu gibt es ein buntes Plastikgäbelchen. Interessantes Zubereitungsdetail: Der Imbissmann stäubt zuerst das Currypulver auf und schüttet dann rote Soße darüber - der Currygeschmack wird dadurch im Mund erst mit raffinierter Verzögerung freigesetzt. Die Wurst ist schön salzig, süß und gleichzeitig fettig, außerdem besteht ein imbisstypisches reziprokes Verhältnis zwischen zugeführten Kalorien und gefühlter Sättigung - für zwei Euro eine schön überwürzte Kleinigkeit. Ist es noch der Einheitstaumel, oder bin ich wirklich begeistert? Egal, was Currywurst betrifft, betrachte ich mich nun als angekommen.

Freitag, 5. Oktober 2007

Café Fleury - Imbiss im Boudoir, nicht nur für Frauenversteher

Nach dem Umzug gibt es nun wieder Internet und auch regelmäßige Mahlzeiten, zwei wichtige Voraussetzungen, um dieses Blog zu befüttern, und so unternehme nun auch ich die ersten Streifzüge durch das neue Gastrorevier und schnüffele mich in Berlin ein.
Für den Anfang folgen wir ausgetreteneren Pfaden – einerseits, weil wir es noch nicht besser wissen, andererseits, weil GutesEssen kürzlich zum Geburtstag einige der bekannten Gutscheinhefte – nimm zwei, zahl eins – zum verbilligten Essengehen in Berlin geschenkt bekam.

Aus dem luups Berlin 07, in Design und Papierqualität das Premium-Heft, führte uns unser Weg an einem Mittwoch Nachmittag in das Café Fleury am Weinbergsweg 20. Das traf sich nicht nur gut, weil die Quiche forestière mit Salat (Quiche mit Champignons, 4,50 Euro) ausgezeichnet mundete, sondern weil das kuschelige Lokal in einem braun-blauen Farbkonzept eingerichtet ist und damit auffallend unserem neuen Wohnzimmer ähnelt, so dass ich mir, einrichtungsfixiert wie ich momentan bin, beim Essen gleich einige Anregungen holen konnte.

Aber jetzt zum Wesentlichen. Die Bestellungen gibt man an einer kleinen Theke auf, an der man einen Teil des Angebots – Quiches, hausgemachte Tartes, französische Kekse und andere Süßigkeiten – auch gleich in Augenschein nehmen kann. Die Preise sind im Café Fleury für die gebotene Qualität äußerst erfreulich, große Salate, zum Beispiel mit Birne, Walnuss und Gorgonzola kosten 6 Euro, verschiedene originell belegte Baguettes, die erst nach der Bestellung frisch zubereitet werden, 3,40 Euro, Apfelschorle 1,60, Bionade 1,80, Cappuccino ebenfalls 1,80. Frühstück gibt es hier auch, außerdem eine Auswahl französischer Lebensmittel für Zuhause. Das Essen wird liebevoll angerichtet an den Tisch gebracht und auch das Einlösen des luups-Gutscheins wurde freundlich erledigt.

Dazu französische Musik gerade an der Hörschwelle, am Testtag sogar noch ein verlorengegangener süßer Hund mit großen feuchten Augen, der von Frauchen abgeholt werden musste – wozu brauche ich überhaupt ein eigenes Wohnzimmer? Lediglich mein Begleiter fühlte sich in dieser femininen Atmosphäre als zeitweise einziger männlicher Gast leicht fehl am Platz, bestand doch die Gästeschar am Nachmittag vor allem aus Frauengrüppchen, die Beziehungsprobleme wälzten, oder ihre Beute nach einem Fischzug durch die Läden zwischen Hackeschem Markt und Kastanienallee begutachteten. Mich wird das von weiteren Besuchen sicher nicht abhalten, denn die Vorteile dieser kleinen Oase in Mitte liegen auf der Hand: Leckere Kleinigkeiten, keine Laptops, keine nervigen Schülergruppen, keine albernen Riesensonnenbrillen und schon tagsüber rauchfrei.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Ciao Käsehaus

KäsehausKäse? Wurst haben sie auch, und Schinken und Salami und ...

Wo kaufe ich jetzt nur meinen Käse, hier, im Zentrum der Macht? Google hilft mir nicht weiter: "Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 518 für käseladen berlin." Doch hinter welchem der 518 Treffer versteckt sich ein Laden, der ohne stundenlange Anfahrt zu erreichen ist, ein gutes Angebot und bezahlbare Preise hat? Sachdienliche Hinweise und ultimative Geheimtipps werden gerne entgegengenommen. Kreuzberg, Neukölln, Mitte, Friedrichshain bevorzugt

In Leipzig war das mit der Käseversorgung kein Problem, das Käsehaus in der Breitenfelder Straße erfüllt alle Anforderungen. Käse aus D, CH, A, F, E. Salami und Schinken aus I. Tiroler Speck. Französische Butter. Holunderschinken. Darum herum ein Randsortiment aus Feinkostartikeln. Und das alles immer frisch, in wunderbarer Qualität und bezahlbar. Den Sauermilch-Käse mit blauem Schimmel (Geschmack gut, Aussehen gewöhnungsbedürftig) aus der eigenen Käserei verkaufen sie auch noch. Aber der kann gegen die Konkurrenz in der Auslage buchstäblich nicht anstinken. Ich empfehle ihn trotzdem zur Verkostung - Der Blaue soll ja ein echtes Leipziger Original sein.

Besonders werde ich meine Lieblingsverkäuferin vermissen. Die, die immer so leicht verwirrt wirkte, wenn sie mich bediente. Und mich so nett von den Neuzugängen im Kühlregal kosten ließ. Vielleicht resultierte die Verwirrung daraus, dass nicht so viele junge Männer in Gohliser Käseläden Rohmilchkäse und Spianata einkaufen. Oder es war es ihr einfach nur peinlich, dass sie mich einmal mit einem "Künstler" aus der Straße verwechselt hat.

Liebe Käsehäusler - macht weiter so. Leipzig braucht Läden wie den euren. Wo bekäme man sonst geschätzte zehn bis 15 Sorten Bergkäse (aus Rohmilch), gut abgelagerten Gouda und Ziegenkäse, der den Namen auch verdient hat.

Mittwoch, 12. September 2007

Rotwein statt Altbier - Vivere in Düsseldorf

Düsseldorf RheinkniebrückeDer Rhein. Macht glücklich, aber nicht satt.

Es stimmt: in Düsseldorf drängen sich die Menschen in dichten Pulks vor den Gaststätten und trinken Altbier aus kleinen Gläsern. Ich passierte die Tränken allerdings ohne Stopp auf dem Weg durch die Altstadt. Mir knurrte der Magen, Bier ohne Unterlage ist mir nix. Ziel war ein persischer Falafelschuppen auf dem Carlsplatz, empfohlen von Thomas Knüwer. Aber um 18 Uhr war ich wohl zu spät dran. Die Buden auf dem Platz hatten bereits geschlossen und auch in den Straßen rund ums Carrée war kein Kichererbsenbrater zu finden. Also Plan B - denn das mittägliche Kantinenfutter hatte mir - wie leider meistens - erst richtig Appetit auf was Anständiges gemacht.

Am Montagabend hatte mich die Tapasbar La Copita vor dem Hungerast gerettet. Kurz vor elf Uhr abends bekam ich dort noch warme Albondigas (Fleischklößchen in Tomatensoße für 5,50 Euro) und eine ausgezeichnete Kartoffel-Tortilla (3,50 Euro). War gut, aber diesmal wollte ich eine "richtige" Mahlzeit. Im Buchladen um die Ecke zur Herberge fragte ich die Verkäuferin, ob sie etwas in der Gegend wisse. Sie empfiehlt mir das Vivere in der Kaiserswertherstraße 9. Sehr gutes Essen, etwas schräge Bedienung, sagt die Dame mit dem genießerischen Aussehen und zieht ein etwas sorgenvolles Gesicht. So als traue sie ihrer Empfehlung nicht. Die Speisekarte liest sich schon mal hervorragend, ich trete ein.

Hinterm Wein brutzelt die Brasse

Der Wirt (interessanter Pullover, Carlo Colucci?) ist eilfertig zur Stelle, nimmt mir die Jacke ab. Um mich Düsseldorfer Edelitalienerpublikum 50+ mit Geld. Es wird geraucht, die Luft ist aber atembar. An offenen Rotweinen gibt es leider nur drei Sorten, der Sole di Puglia (0,2 l für 3,50 Euro) ist aber sehr ordentlich.

Ich halte mich an die Tageskarte und nehme die Tagliole mit frischen Steinpilzen als ersten Gang. 11,50 Euro für eine Teller Teigwaren hatten mich kurz ins Grübeln gebrachte, aber dann war der Geizanfall vorbei. Zum Glück, denn die dünnen Nudeln sind herrlich al dente, die gebratenen Schwämme vollmundig und sie lösen kleine Geschmacksexplosionen aus. Mit dem knusprigen italienischen Brot (reichlich) tupfe ich das würzige Olivenöl vom Nudelteller. Eigentlich bin ich satt. So rein rational.

Zum Glück bleibt ein bisschen Verdauungszeit, während der ich das Kochduo beim Sieden, Braten, Kochen bewundere . Nur durch eine Theke ist der Herd vom schnörkellosen Gastraum getrennt. So richtig lassen sich die zwei Künstler (ein Koch und vermutlich die Wirtstochter) nicht in die Töpfe schauen - eine Flaschenbatterie verwehrt den Blick ins Heiligste.

Dann das Hauptgericht: Kalbsleber auf venezianische Art (mit Zwiebeln kurz gebraten) dazu Rahmkartoffeln und ein Art geschmorte Gemüserolle (16,50 Euro). Perfekt zubereitet zerschmelzen die Leberstreifen im Mund. Die Schmorsoße kann ich leider auch nicht auf dem Teller lassen - zu gut ist der Sud aus Lebersoße und Zwiebelsaft. Apropos Rolle. Nach dem Hauptgericht fühle ich mich wie eine selbige. Die Pannacotta, die mir der Wirt anstelle des Espresso ans Herz legt, lasse ich wegen dem Spannungsgefühl im Mittelbauch in der Küche. Ich belasse es beim obligatorischen Espresso und trotte zufrieden Richtung Herberge.

Apropos schräger Service. Während bei mir alles bestens lief, hatten zwei Bekannte, die eine halbe Stunde nach mir kamen, weniger Glück. Von sehr aufmerksam (bei mir) hatte sich die Bedienung zu etwas lustlos verwandelt. Zufrieden waren sie trotzdem. Das Essen war nämlich wieder hervorragend.

PS: Altbier habe ich in den zwei Tagen Düsseldorf nicht getrunken. Sorry.

Samstag, 1. September 2007

Die Zombies in unserem Küchenschrank

Himbeeren aus der DoseVerfallsdatum: 3.12.2002. Geöffnet: heute.

Kurzes Lebenszeichen aus Quadrant 04.1.57: Die Umzugskisten sind befüllt, der Möbelwagen nähert sich mit Warp 8. Zeit, die letzten Überlebenden und Vergessenen aus den Tiefen unseres Lebensmitteldepots in das grelle Licht der Küchenzeile zu zerren. Das Paradefundstück: eine Dose Himbeeren (gezuckert), erworben noch vor der Jahrtausendwende. Wasabi traute sich bisher nicht, den Öffner anzusetzen. Ich dagegen ertrage auch Filme wie "The Ring", "Alien" und "Nightmare on Elm Street" ohne mit der Wimper zu zucken. Also atmete ich tief durch, setzte das Werkzeug an den von Belägen gesäumten Dosenrand und hebelte den Konservenopa auf. Von drinnen glotzten mir Zombieeingeweide entgegen. Nach kurzer Analyse entsorgte ich die Untoten in die Leipziger Kanalisation. Puh, Glück gehabt. Sie haben uns nicht gekriegt.

Dienstag, 21. August 2007

Anstrengend

Der Umzug nach Berlin rückt näher und kulinarisch gesehen ist das eine Durst- und Hungerstrecke. GutesEssen kampiert noch immer in der Zwischenwelt und nährt sich kümmerlich von Nudelsuppen und belegten Brötchen.
Der Leipziger Haushalt ist ebenso in Auflösung begriffen, überall stapeln sich - vorerst noch leere - Umzugskartons, meine Versuche zu ordnen und auszusortieren rufen in erster Linie neue Unordnung hervor, zu essen gibt es Sachen aus dem Vorratsschrank, die wegmüssen. Gerade entdeckte ich eine Dose Himbeeren mit dem Ablaufdatum 3.12.2002 und grübele jetzt, ob ich sie aufmachen sollte.

Aber es werden bessere Zeiten kommen. Letzte Woche haben GutesEssen und ich den Gasherd in der Berliner Wohnung eingeweiht, und zwar mit Fischspaghetti, einem echten Notessen, dessen Rezept mir Eintopf neulich verraten hat.

Zutaten:
Spaghetti
eine Dose Fisch (z.B. Hering in Tomatensauce, Thunfisch mit Gemüsesalat o.ä.)

Nudeln wie üblich in Salzwasser kochen, abgießen und zurück in den Topf geben. Die Fischdose öffnen, Inhalt zu den Spaghetti schütten und umrühren.

Das ist das ganze Rezept und ich gebe zu es klingt barbarisch, schmeckt aber, abhängig von der Qualität des Dosenfischs, gar nicht schlecht. Im Vergleich zu Tütensuppe ist das ein echter Fortschritt. Man kann natürlich nachwürzen, mit Kräutern, Oliven oder Kapern verfeinern. Wir aßen das Gericht, nachdem wir drei Unterschränke und zwei Küchenoberschränke des schwedischen Möbelhauses nebst diversem Kleinkram in die Wohnung geschleppt hatten und es möbelte uns so weit auf, dass wir noch einmal hinfahren und zwei Küchenarbeitsplatten transportieren konnten.

Am nächsten Tag musste der Backofen - ebenfalls gasbetrieben - ran und uns ein paar Tiefkühlpizzen aufbacken, was er bravourös erledigte. Die Hitze ist sehr direkt und fast sofort da, was für Pizza sehr gut funktioniert, bei der Lammkeule mit der Niedrigtemperaturmethode aber Schwierigkeiten bereiten könnte. Aber vor der Lammkeule stehen leider noch der Kücheneinbau und der Umzug und so wird die Durst- und Hungerstrecke hier vorerst noch etwas anhalten.
Und jetzt mache ich die Dosenhimbeeren auf.

Donnerstag, 2. August 2007

Ist Kult Kult, wenn man den Kult nicht erkennt?



Eine Currywurst ist eine Currywurst ist eine Currywurst. Oder? Nach meiner ersten Verkostung des umjubelsten Berliner Imbissproduktes wollte ich es wissen. Sind diese Würste nun wirklich eine göttliche Zwischenmahlzeit und die besten Exemplare sind mir nur noch nicht in die Pappschale gehüpft? Oder ist das alles Hype bzw. schnöde Geschmacksache? Also trollte ich mich so in der Gegend herum und entdeckte auf einmal diesen pittoresken Brater unter der U-Bahn, Haltestelle Eberswalder Straße. Konnopke sagt mit natürlich gar nichts und so gehe ich ganz naiv hin, bestelle Fassbrause (95 Cent) und Currywurst für 1,50 Euro. Die häufige Verwendung des C-Wortes bitte ich zu enschuldigen, aber dafür fehlen mir einfach die brauchbaren Synonyme. Der Kunde wird Zeuge einer hocheffizienten Auslieferungsprozedur. Mann ruft Bestellung, von hinten kommt die Wurst in der Schale, vorne quetscht eine Dame Soße über das Produkt und streut gelbes Würzpulver darüber. Der Mann kassiert ab und man/frau nimmt die Leckereien entgegen.

Fassbrause gehört dazu. Wer sie mag...

Das Fleischereiprodukt (doch ein Synonym) ist fluffig ohne Darm, schmeckt deutlich nach dem Herkunftstier und seinem Schmalz. Die Soße... eine Art Curryketchup. In der Gänze ein unspektakuläres Produkt, essbar, doch ohne Glamour. Wenn ich vorher gewusst hätte, dass Konnopke der Imbiss in Berlin (jedenfalls um den Prenzlauer Berg herum) ist, der Laden, den Exkanzler Schröder angeblich immer besucht hat, dann... ja, was dann? Dann wäre vielleicht ein wenig vom Glanz der Promis auch auf meine Geschmacksknospen übergesprungen und ich hätte voller Wohlgefühl einen Star unter den Currybratlingen (noch'n Synonym) erschmeckt. Weil ich aber ein Unwissender bin und die Schröderstory erst später erfuhr, war es, was es war: eine Berliner Currywurst (ist eine Currywurst ist eine Currywurst). Die Fassbrause fand ich übrigens klasse.

Freitag, 27. Juli 2007

Saugute Bratkartoffeln

Bratkartoffeln sind ein billiges wie einfaches Essen – einfach im Sinne von "verwendet alltägliche Zutaten", weniger im Sinne von „einfach herzustellen“. Wohl aus diesem Grund sind Bratkartoffeln ein Dauerbrenner auf den Speisekarten von Eckkneipen und liefern die Daseinsberechtigung für die zahlreichen Kartoffelhäuser. Allerdings vermute ich, dass dem Gast nur selten die erträumten knusprig-würzigen Kartoffelscheiben vorgesetzt werden. Häufig sind diese Kartoffeln zu fettig, um lecker zu sein, oder es handelt sich um maskierte Salzkartoffeln, die, der Farbe wegen mit Paprika bestäubt, einmal kurz durch die Pfanne hüpfen durften.
Bis mir jemand ein wirklich gutes Bratkartoffellokal verrät oder ich selbst eins aufmache, gibt es hier eine Anleitung, wie saugute Bratkartoffeln in drei Schritten gelingen. Die gute Nachricht: Bratkartoffeln sind beherrschbar, der Koch braucht weder Talent noch Genialität, es gibt nur ein paar einfache Regeln.

Kartoffelscheiben

Erster Schritt: Einkaufen
a) Eine gute Pfanne. Gute Pfannen sind von der Sorte, mit der man Einbrecher erschlagen könnte. Sie sollten tunlichst nicht zum Nachstellen antiquierter Bilderwitze verwendet werden, in denen einem Mann mit Hut von seiner hinter der Tür lauernden Frau eins übergebraten wird.
Für Bratkartoffeln ist eine geschmiedete Eisenpfanne die beste Wahl. Einmal eingebraten (und nie mit Spülmittel traktiert) wird sie mit jedem Mal besser.
Zweitbeste Wahl wäre eine innen emaillierte schwere Pfanne, die ist auch etwas universeller einsetzbar, abwaschbar und rostfrei. Die Investition in eine gute Pfanne lohnt sich, denn in den meisten Fällen hat man sowas wirklich "fürs Leben": Sie geht im allgemeinen nicht kaputt und ist mit allen Herdarten kompatibel.
Zur Not könnte man auch eine beschichtete Pfanne nehmen, aber trotzdem Fett verwenden. Machen wir uns nichts vor: Bratkartoffeln sind kein Diätessen. Es ist zwar möglich, Kartoffelscheiben ohne Fett zu braten, aber nicht wünschenswert, denn das Ergebnis wird an gedörrte Kartoffelscheiben erinnern und nicht an Bratkartoffeln, wie wir sie wollen.
Unbedingt abzuraten ist von unbeschichteten Edelstahlpfannen. Das ist nur etwas für Fleisch, mit Kartoffeln wird es anstrengend, weil die garantiert kleben bleiben.

b) Festkochende Kartoffeln. Unbedingt festkochende Kartoffeln. „Vorwiegend festkochend“ bedeutet nur, dass die Kartoffeln in den meisten Fällen für Bratkartoffeln zu mehlig und bröckelig sein werden.

Zweiter Schritt: Vorbereitung
Die Kartoffeln 6 bis 36 Stunden vor der geplanten Bratkartoffelzubereitung als Pellkartoffeln kochen und erstmal in Ruhe abkühlen lassen.
Wenn es mit dem Braten Ernst wird pellen und in etwa 3 bis 4 mm dicke Scheiben schneiden. Zwiebel in Ringe oder Würfel schneiden. Nach Wunsch durchwachsenen Speck in Würfel schneiden.

Dritter Schritt: Braten
Pflanzliches Öl (Sonnenblume, Olive, Raps oder so) oder Schmalz in der guten Pfanne erhitzen, und zwar so viel, dass der Boden bedeckt ist.
Bei Verwendung wird zuerst der Speck bei etwas geringerer Hitze knusprig ausgebraten. Da kann man gleich auch die Zwiebeln nachschütten und sie anbräunen lassen. Beides wird dann auf einem Teller zwischengelagert und kommt zum Schluss noch mal dazu.

Den Herd jetzt auf größte Hitze stellen und wieder runterschalten, wenn die erste Ladung Kartoffelscheiben in der Pfanne ist. Hier muss man etwas rumprobieren, welche Einstellung für die eigene Hardware passt, ich stelle den Elektroherd auf Stufe sieben (von neun).
Die Kartoffelscheiben in die Pfanne legen und zwar dicht nebeneinander, nicht übereinander. Jetzt Geduld haben und warten, bis sich bei den ersten Scheiben ein kleiner brauner Rand zeigt - wie im Bild.

Kartoffelscheiben mit braunem Rand

Diese Scheiben umdrehen, das geht am besten mit einer Gabel. Scheiben, die auch auf der zweiten Seite gebräunt sind, entweder auf den Rand der Pfanne schieben oder als zweite Schicht auf noch nicht gebratene Scheiben stapeln. Lücken auf dem Pfannenboden mit neuen Scheiben auffüllen. Wahrscheinlich werden nie alle Scheiben gleichzeitig braun, weil Elektroherdplatten nicht gleichmäßig heizen oder weil Herde häufig schief stehen und das Fett zu einer Seite läuft. So, mit Wenden und Umstapeln, alle Kartoffelscheiben verarbeiten. Bei größeren Mengen muss man noch ein bißchen Öl nachschütten - fetttriefend sollen die Kartoffeln natürlich trotzdem nicht werden. Die allerallerwichtigste Regel: Wirklich nur dann wenden, wenn die Scheiben gut gebräunt sind, dann zerfallen sie nämlich auch nicht mehr. Um nicht ungeduldig zu werden, lese ich beim Bratkartoffelbraten meistens nebenher und schaue erst nach der Hälfte des Seite-drei-Artikels in der Süddeutschen Zeitung wieder nach.

Bratkartoffeln

Wenn der Pfanneninhalt zufriedenstellend gebräunt ist, kräftig salzen und pfeffern, eventuell auch kümmeln oder majoranen und natürlich Speck und Zwiebeln wieder dazugeben. Für die vegetarische Variante könnte man jetzt ein paar Sonnenblumenkerne hineinstreuen, die schmecken angeröstet auch gut. Oder noch ein paar Oliven. Aber das ist schon nicht mehr die die reine Lehre.
Als klassische Beilage zu den Bratkartoffeln (die bei mir immer das Hauptgericht sind) empfehle ich Spiegelei oder Brathering.