Donnerstag, 15. November 2007

Des Apfels benachteiligte Schwester



Weihnachten naht. Damit nicht nur die Zeit der Lichterketten, sondern geschmacks- und geruchstechnisch die Zeit von Zimt und Nelken. Bei Zimtsternen lasse ich mir das ja noch gefallen, ich leide hingegen, wenn jedes Dessert, jedes Getränk, jedes Gebäck und womöglich noch Badezusätze und Spülmittel mit dieser nicht gerade subtilen Gewürzkombination zugeballert werden. Von Duftkerzen ganz zu schweigen, das ist Teufelswerk.

Besonders gefährdet ist dabei die Birne – eine sowieso in jeder Hinsicht benachteiligte Frucht, verglichen mit anderem Obst. Da sind einmal die für beide Seiten unschmeichelhaften Vergleiche mit menschlichen Schädeln im allgemeinen und Ex-Kanzlern im besonderen. Dann tritt die Birne in unseren Breiten in verarbeiteter Form fast nur als Kompott mit Zimt und Nelken auf - eine Kombination so zwangsläufig und einfallsreich wie Würstchen mit Senf oder Eisbein mit Sauerkraut. Arme Birne! Dabei hat die Birne den Gewürzschock gar nicht nötig, im Gegenteil, Zimt und Nelken verdecken nur ihren feinen Eigengeschmack, den ich fast als parfümiert bezeichnen möchte. Beim Essen einer reifen Birne denke ich viel eher an den Frühling und an die Birnenblüte, als an den Herbst und Weihnachten.
Mein Lieblingsprodukt aus Birnen ist Birnen-Preiselbeer-Marmelade nach einem Brigitte-Rezept von 2001. So birnig schmecken sonst nur noch Geleebirnen mit Aroma aus Holzminden. Der Preiselbeersaft wirkt hier quasi als Geschmacksverstärker, daher lohnt es sich, mal drei Euro für ein winziges Fläschchen anzulegen.

Aber jetzt zur Marmelade (4 Gläser):

700g Birnen, geschält in kleinen Würfeln (d. h. ein Kilo kaufen, schälen, würfeln, 700g abwiegen)
0,33l Preiselbeersaft (gibt es in dieser Packungsgröße im Bioregal)
350g Zucker
ein Päckchen Gelfix 1:3 (mit dem Zucker mischen)
1 Päckchen Zitronensäure

Alles zusammen langsam erhitzen und mindestens drei Minuten kochen lassen. Je nach Zustand der Birnenwürfel diese etwas mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken, so dass eine sämige Masse entsteht. Nach drei Minuten probieren (aber nicht mit Finger und/oder Zunge - kochende Zuckerlösung wird sauheiß!), ob die Masse schon geliert: Dazu einen Klacks auf einen Teller tropfen, wenn er nach dem Abkühlen Marmeladenkonsistenz hat, ist die Marmelade fertig, ansonsten noch etwas länger kochen lassen und die Gelierprobe wiederholen.
Die Marmelade in heiß ausgespülte Gläser füllen, verschließen und fünf Minuten auf den Deckel stellen.

Nach längerer Lagerung scheint sich der Birnengeschmack der Marmelade sogar noch zu verstärken. Das letzte Glas, geöffnet etwa nach einem halben Jahr, ist immer das beste. Das herrliche Mus schmeckt nicht nur zum Frühstücksbrötchen sensationell, sondern passt auch sehr gut zu Joghurt oder Waffeln oder dünnen Crêpes oder dicken Pfannkuchen. Wenn ich nicht vor dem Umzug alle gesammelten leeren Marmeladengläser weggeworfen hätte, würde ich auch noch dieses Rezept für Birne-Helene-Marmelade ausprobieren, solange noch Birnenzeit ist.

Kommentare:

Gabi hat gesagt…

Schönes Rezept - obwohl ich Birne und Zimt auch köstlich finde ;-)

Lars hat gesagt…

Danke für den Link zum Aroma aus Holzminden.
Eine große Tageszeitung freute sich neulich darüber, dass auf diese Weise auch Wintertomaten nicht mehr wässrig schmecken müssen.....

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