Mittwoch, 26. Dezember 2007

FddF (letzte Folge): Fahren wir nach Merzbach?

Gasthaus Kirchberger Merzbach TrautskirchenWas lockt da in der Dunkelheit?

Gestern hatten wir ein ausgiebiges Weihnachtsmenü. Nach Frühlingsrollen, Ente mit Rotkohl und Semmelklößen, sowie einer ordentlichen Mousse au Chocolat fällt es mir nicht ganz leicht, über vergangene Schlemmereien in Franken zu schreiben. Aber ich hab's versprochen und außerdem ist das Gasthaus Kirchberger in Merzbach im oberen Zenntal unbedingt empfehlenswert.

Seit Wasabi vor paar Jahren die dortige Landküche gekostet hat, ist jede Frankentour zwangsläufig mit einmal essen gehen in dem Bauerndörfchen gekoppelt. "Fahren wir nach Merzbach?" ist keine Frage, sondern ein Befehl - dem ich aber immer gerne nachkomme. Die Anreise ist nicht ganz einfach, ohne Auto geht nichts. Was etwas schade ist, denn der Wirt kredenzt einen überaus delikaten selbst gebrannten Obstler. Wenn man von Westen kommend die Metropole Trautskirchen erreicht hat (bisher einziger bekannter Trautskirchner war der erste DGB-Vorsitzende Hans Böckler), sind es nur noch ein paar Minuten bis in den Ort mit seinen ungefähr 40 Häusern und Ställen. Die Wirtschaft ist nicht zu übersehen. Einfach halten, wo alles zugeparkt ist.


Merzbach liegt vielleicht in der Peripherie, aber die Fahrt lohnt sich

Beim vorigen Besuch hatten wir dort einen hervorragenden Karpfen verspeist. Weil wir aber schon am Vortag bereits jeder ein Exemplar bestellt hatten, griffen wir diesmal zur Wildkarte. Denn neben den üblichen fränkischen Traditionsgerichten (Schweinebraten, Schäufele, Schnitzel, Bratwurst) findet der Gast regelmäßig Gerichte der verfeinerten und ambitionierten Landküche. Wie mir der Wirt erzählte, hat sein Sohn eine Lehre als Koch gemacht und sammelt jetzt Erfahrung. Das lässt hoffen, dass die Kirchbergertradition weiterleben wird, die sich auf regionale Zutaten und auch eigene Tierhaltung stützt.

Wildwochen im Gasthaus KirchbergerVormerken: im November sind Wildwochen!

Als wir eintrudelten waren gerade Wildwochen - mit Wildschwein, Hirsch, Reh, Hase auf der Karte. Wasabi nahm das Wildschweinsteak mit Esskastanien-Weintraubensoße, dazu kross gebratene Kartoffelplätzchen (12,00 Euro). Ich entschied mich für die Wildhasenkeule mit Semmelklößen (10,00 Euro). Zur Einstimmung löffelte ich eine Wildkraftbrühe mit gefüllten Teigtäschchen (3,00 Euro). Derweil spachtelten am Nebentisch drei mächtige Damen ein Menü aus dem traditionellen Kapitel der Speisekarte in sich hinein. Nach einem Riesenteller mit Knoblauchbrot vernichteten sie eine Grillplatte (Berg Fleisch mit Berg Pommes), Karpfen und etwas, das ich nicht sehen konnte. Dann noch schön Spezi und gemischte Eisbecher mit Sahne satt. Übergewicht ist kein Zufall. Hauptsache, es schmeckt.

Entgegen der üblichen Praxis machte ich diesmal keine Fotos von den wirklich äußert appetitlichen Tellern. Denn wir standen unter scharfer Beobachtung der Stammgäste, die in ihrem Dorfgasthof zum Schafkopf ihr Feierabendbier trinken (2,00 Euro der halbe Liter "Tucher Übersee"). Deshalb müssen uns die Leser auch so glauben, dass die Gerichte herrlich angerichtet waren und die Menge auch starke Esser zufrieden stellt. Zusammen mit dem Salatteller und der Vorsuppe - die fast schon als eigene Mahlzeit durchgehen könnte - ließ die (riesige) zarte Hasenkeule leider keinen Platz mehr für die Nachspeisen. Wasabi ging es mit dem Wildschwein ähnlich, und so rundeten wir das Menü mit zwei Espressi ab (je 1,60 Euro). Tatsache: Wirt Helmut Kirchberger serviert einen ausgezeichneten italienischen Kaffee, und das ist für die fränkische Provinz ein ganz außerordentliches Angebot.

Für die an die Wohnung gefesselte Oma bestellten wir noch eine gebackene Karpfenhälfte mit, dazu packte der Wirt eine ordentliche Portion Kartoffel- und Krautsalat (alles zusammen für 7 Euro!). Der Fisch war hervorragend fritiert, einfach perfekt! Das bekommt wirklich nicht jeder so hin. Wir bekamen ihn noch schön warm zur Oma (ihres Zeichens eine legendäre Karpfenbäckerin), die den Karpfen jubelnd in Empfang nahm. Ein bisschen überkam mich dann schon der Neid, als sie dem Tier die krossen Flossen herausdrehte und genussvoll wegknusperte.

Es war wieder ein rundum gelungener Wirtshausbesuch, auch weil wir schlauerweise diesmal unter der Woche eingekehrt waren. Denn gerade am Wochenende ist es in Merzbach häufig rappelvoll - die gute Küche ist in der weiteren Umgebung schon lange kein Geheimtipp mehr, wie andere auch schon festgestellt haben. Also wochentags kommen, sich vorher nach Ruhetagen erkundigen und dann genießen.

Ach ja: Norddeutsche könnten ein paar Probleme mit dem Hörverstehen haben, denn natürlich sprechen außer den Gästen auch die Wirtsleute alle nur fränkisch. Aber die Karte ist in Hochdeutsch geschrieben. Guten Appetit.

Gasthaus Kirchberger
Merzbach 4
90619 Trautskirchen
Telefon 09107/808
Fax 09107/9695

Kommentare:

Karlimann hat gesagt…

Hallo,

ich habe diesen Eintrag im Weblog gefunden, als ich schnell die Telefonnummer von "Helmer" wie er von uns Trautskirchnern genannt wird, herauszufinden.

Schöner Bericht. Am Wochenende gehen gar nicht mehr so viel Einheimische zum Essen nach Merzbach, eben weil die Kneipe in der Hand der "Waldscheisser" ist, wie die Städter manchmal liebevoll genannt werden.

Und um den schönen Kosenamen der Städter zu beweisen:

http://www.karlimann.com/?cat=4&paged=6

Gruß
Karl

GutesEssen hat gesagt…

Die bei dir verlinkten Fotos zeigen etwas mehr an Details, als ich unseren Besuchern zumuten möchte. *grusel*

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