Samstag, 26. Mai 2007

Es schmeckt besser, als es aussieht

Stadttour und Stadttortur liegen manchmal recht unerfreulich nahe beieinander. Nach mehreren Stunden Fußmarsch durch die Innenstadt von Frankfurt (für die sächsischen Leser: hier geht es um die hessische Mainmetropole) war unsere Truppe am Ende. Mit glühenden Füßen und lahmen Gliedern, dehydriert und ausgehungert wollten wir nur noch eins: Nahrung, Trinken und einen Platz zum Ausruhen. Unser ortskundiger Führer trieb uns mit kleinen Lügen ("es sind nur noch 600 Meter") zu einer letzten übermenschlichen Anstrengung an und lotste uns vom Römerberg über die Mainbrücke nach Sachsenhausen in das Wirtshaus Zum Gemalten Haus. Kurz nach 18.30 Uhr ergatterten wir einen der letzten freien Tische. Mit Kennerblick erfasste der rustikal-hessisch parlierende Kellner unseren Zustand und wuchtete erstmal einen zwei Liter Krug ("Bembel") Apfelwein auf den Tisch.

Bembel mit Äppelwoi

Angeblich wird der im Gemalten Haus noch selbst gekeltert. Das würde die günstigen 1,60 Euro für den Drittelliter allerdings erklären. Übrigens ist dieses Wirtshaus eines der alten "Äppelwoi"-Lokale, das außer von Touris auch noch von Einheimischen (es soll außer den Bankmenschen noch welche geben) besucht wird. Bester Beweis war eine Meute gutgelaunter Eintracht-Fans am Nebentisch, die einen Bembel nach dem anderen leerte. Die Speisekarte ist kompromisslos deutsch: Fleisch, Kraut, Kartoffeln - in Mengen, die auch einen ausgehungerten Gewichtheber satt machen. Rippchen, Rinderzunge, Bratwurst, Tafelspitz ("Rindersolber"), Leberkäse. Weil die von mir sehr geschätzten Schäufelchen, einheimisch "Schäufelsche", leider "aus" waren, nahm ich die schweinerne Haspel, nachdem mir der Kellner das Wort freundlicherweise ins Deutsche übersetzt hatte.

Schweinehaxe mit Kraut und Kartoffelbrei

Nach nur einer viertel Stunde schob er mir einen Teller mit einer riesigen gekochten Pökelhaxe unter die Nase. Bevor Ihr fragt, ob man das essen kann: ja man/frau kann, allerdings sollte man die Schwarte komplett entfernen. Darunter kommt ein äußerst schmackhaftes mageres Fleisch zum Vorschein, köstlich mit ein bisschen Senf, dazu das sehr bekömmliche Sauerkraut und ein gut gemachter Kartoffelbrei. Für 8,50 Euro fällt dieses Gericht unter die Kategorie "gut, billig und viel", wie es mein alter Freund H. auszudrücken pflegt. Irritation lösten bei Anlieferung kurzzeitig die gekochten Rippchen ("Rippsche") nach Kasslerart aus, offensichlich denkt bei dem Wort jeder nur noch an knusprig gebackene Spare Ribs. Aber Barbecue ist nun wirklich nicht typisch hessisch, die gekochte Variante mit Kraut und Püree kam dennoch gut an. Es fehlte die berühmte Frankfurter Grüne Soße, aber die hatten wir schon hausgemacht am Vortag bei unserer Freundin A. zu Pellkartoffeln genossen.

Noch ein Wort zum Apfelwein, der leider mit dem französischen Cidre oder dem britischen Cider nicht viel gemeinsam hat. Staubtrocken, fast ohne Süße kommt er daher, manchmal auch mit einer überbordenden Säure (überraschend mild war er im Gemalten Haus). Während seine Verwandten aus der Normandie und England leicht moussieren, lieblich würzig schmecken, ist der "Äppler" ein recht sprödes Gewächs. "Wenn's heiß ist, ist der super erfrischend", sagte unser Einheimischer. Man trinkt den Apfelwein auch gespritzt mit Orangenlimonade oder Sprudelwasser, der Kenner natürlich nur pur. Mein Tipp: bevor Ihr gleich den Bembel ordert, lieber erst ein Glas probieren. Unser Zweiliter-Krug war am Ende übrigens leer. Aber wir waren ja auch sechs Stunden bei Sommerwärme in der Stadt gewesen, da mag man es auch herb danach. Schönes Wirtshaus, bei Hunger und Durst und Lust auf Frankfurter Tradition eine echte Empfehlung.

Kommentare:

Schneegestöber hat gesagt…

Freut mich, daß Ihr Euren Spaß in Frankfurt hattet.

Motto
Hopp, Hopp, Hopp, Schoppe in de Kopp!!

Steffen hat gesagt…

Du warst da auch drin?

Ich neulich auch, das war ja sooo toll. Ich hab natürlich Handkäs mit Musik gegessen.

Ich mag gutes Essen! hat gesagt…

Mir war nicht so nach Musik :-)

Schwangerschaft hat gesagt…

Oh, das sieht aber gut aus!

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