
Angeblich wird der im Gemalten Haus noch selbst gekeltert. Das würde die günstigen 1,60 Euro für den Drittelliter allerdings erklären. Übrigens ist dieses Wirtshaus eines der alten "Äppelwoi"-Lokale, das außer von Touris auch noch von Einheimischen (es soll außer den Bankmenschen noch welche geben) besucht wird. Bester Beweis war eine Meute gutgelaunter Eintracht-Fans am Nebentisch, die einen Bembel nach dem anderen leerte. Die Speisekarte ist kompromisslos deutsch: Fleisch, Kraut, Kartoffeln - in Mengen, die auch einen ausgehungerten Gewichtheber satt machen. Rippchen, Rinderzunge, Bratwurst, Tafelspitz ("Rindersolber"), Leberkäse. Weil die von mir sehr geschätzten Schäufelchen, einheimisch "Schäufelsche", leider "aus" waren, nahm ich die schweinerne Haspel, nachdem mir der Kellner das Wort freundlicherweise ins Deutsche übersetzt hatte.

Nach nur einer viertel Stunde schob er mir einen Teller mit einer riesigen gekochten Pökelhaxe unter die Nase. Bevor Ihr fragt, ob man das essen kann: ja man/frau kann, allerdings sollte man die Schwarte komplett entfernen. Darunter kommt ein äußerst schmackhaftes mageres Fleisch zum Vorschein, köstlich mit ein bisschen Senf, dazu das sehr bekömmliche Sauerkraut und ein gut gemachter Kartoffelbrei. Für 8,50 Euro fällt dieses Gericht unter die Kategorie "gut, billig und viel", wie es mein alter Freund H. auszudrücken pflegt. Irritation lösten bei Anlieferung kurzzeitig die gekochten Rippchen ("Rippsche") nach Kasslerart aus, offensichlich denkt bei dem Wort jeder nur noch an knusprig gebackene Spare Ribs. Aber Barbecue ist nun wirklich nicht typisch hessisch, die gekochte Variante mit Kraut und Püree kam dennoch gut an. Es fehlte die berühmte Frankfurter Grüne Soße, aber die hatten wir schon hausgemacht am Vortag bei unserer Freundin A. zu Pellkartoffeln genossen.
Noch ein Wort zum Apfelwein, der leider mit dem französischen Cidre oder dem britischen Cider nicht viel gemeinsam hat. Staubtrocken, fast ohne Süße kommt er daher, manchmal auch mit einer überbordenden Säure (überraschend mild war er im Gemalten Haus). Während seine Verwandten aus der Normandie und England leicht moussieren, lieblich würzig schmecken, ist der "Äppler" ein recht sprödes Gewächs. "Wenn's heiß ist, ist der super erfrischend", sagte unser Einheimischer. Man trinkt den Apfelwein auch gespritzt mit Orangenlimonade oder Sprudelwasser, der Kenner natürlich nur pur. Mein Tipp: bevor Ihr gleich den Bembel ordert, lieber erst ein Glas probieren. Unser Zweiliter-Krug war am Ende übrigens leer. Aber wir waren ja auch sechs Stunden bei Sommerwärme in der Stadt gewesen, da mag man es auch herb danach. Schönes Wirtshaus, bei Hunger und Durst und Lust auf Frankfurter Tradition eine echte Empfehlung.