Samstag, 6. September 2008

Der erste Karpfen ist immer der beste

Nach vielen r-losen Monaten haben wir endlich Septemberrrrrr. Für die meisten ist das vollkommen bedeutungslos, in meiner Heimat allerdings für viele Menschen ein fieberhaft erwartetes Datum. Denn am 1.9. beginnt die Karpfensaison, im Mai (wer findet hier ein "r"?) ist sie beendet. Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber diese Woche durfte ich zur Weiterbildung in die fränkische Heimat reisen, und die ganze Zeit murmelte mein Unterwusstsein mit leisem Stimmchen "Karfen... Karpfen... Karpfen..." (usw.). Irgendwann war da nichts mehr mit zartem Drang zum Backfisch, eine machtvolle Stimme brüllte im vorderen Stirnlappen "KARPFEN KARPFEN KARPFEN KARPFEN" (usw.).

Ich gab dem Geschrei nach und stattete dem Zenntaler Hof in Adelsdorf (Mittelfranken) einen Besuch ab. Mit einem halben gebackenen Karpfen, Salat und ordentlich Ingraisch für die Oma (11,30 Euro für alles!) im Gepäck kam ich zurück und dann schlugen meine Großmutter und ich uns ordentlich den Bauch voll.

Gebackener Spiegelkarpfen auf Teller, Ingraisch, Kartoffelsalat und anderer Salat in einer TransportverpackungVor zwanzig Minuten schwamm er noch munter wie ein Fisch im Wasser. Mein erster Karpfen der Saison.

Das Foto macht zugegebermaßen nicht viel her, aber Oma hat nur Funzellampen in der Küche und meine Hand zitterte auch ein wenig (vor Gier?). Also Blitz und gut. In ganz Berlin dürfte man keinen so zubereiteten frankischen Spiegelkarpfen bekommen. Wer mir bis 30. September 2008 das Gegenteil beweist, dem übereigne ich unverzüglich zwei Dosen mit original fränkischem Bratwurstgehäck und ewige Dankbarkeit. Versprochen.

Wasabi, die in Berlin bleiben musste, wird jetzt mit wundem Blick auf diesen Artikel blicken. Und innerlich bestimmt ein klein bisschen über mich schimpfen, über meinen Karpfenegoismus, und dass ich das jetzt auch noch, wie fies, ins Blog stelle. Aber sie hätte, und daran zweifle ich keinen Augenblick, an meiner Stelle nicht anders gehandelt. Nicht handeln können. Bestimmt.

Mittwoch, 3. September 2008

Geschmacksverstärker

Es ist ja bekannt, dass man nicht nur mit Gutem, Wahrem, Schönem Werbung machen kann. Das ist in der Reklamewelt spätestens seit den umstrittenen Anzeigen von Benetton in den Neunzigern bekannt und kann heute in den Sportschau-Pausen wieder hervorragend anhand der Hornbach-Spots verfolgt werden. Und Kinder kriegt man ja auch gut mit soften Schock-Effekten rum. Aber ob das, was sich Aldi da gerade ins Regal gehievt hat, wirklich zu seinen Adressaten findet?



Wohl nicht, denn sonst würden die Kartons nicht seit Ewigkeiten im Grabbelregal lümmeln. Dabei hatte die nette Person, welche die produktgewordene Tragödie beschriften musste, sich noch bemüht, wenigstens den männlichen Teil der potenziellen Käuferschaft zu ködern, indem sie versuchte, Assoziationen mit englischen Bierlokalen zu wecken.

Ich hatte dann auch nicht mehr den Mut, den Inhalt zu verkosten. Man möchte ja nicht vier Euro rauswerfen, um dann festzustellen, dass das, was draufsteht, auch noch drin ist. Und: Was so riecht, wie mag das wohl schmecken?

Montag, 1. September 2008

Loyalitätsprobleme bei Fachverkäuferinnen

Das mangelhafte Backwerk wird hier wohl ein ständig wiederkehrendes Thema. Unser täglich Brot gib uns heute, heißt es ja auch schon im christlichen Betkanon. Kuchen ist eigentlich Luxus. Aber wenn schon Luxus, dann sollte er auch munden. Süß allein reicht nicht.

Jetzt fand ich heraus, dass Verkäuferinnen durchaus meine Meinung teilen. Wie beim Bäcker letzthin. Ich (etwas vorwitzig, man kennt sich ja) mit Blick auf die Zuckergussbomben in der Vitrine: "Also in Sachsen oder im Süden - da ist der Kuchen einfach besser." Sie: "Da haben Sie recht. Ich könnt ja zum Belegschaftspreis kaufen. Aber das ist mir noch zu teuer für diese Sachen. In Thüringen, ja da gibt es tollen Kuchen." Wenn das der Bäckermeister hören würde. Dann sollte er mal über seine Produkte nachdenken. Wahrscheinlich würde er aber eher seine Angestellte an die Luft setzen.

Noch besser kam es letzte Woche - zur Abwechslung diesmal in der Fleischerei. Fast schon ein Fall von Verbalsabotage. Mindestens eine Abmahnung, wenn nicht sogar die fristlose Kündigung wäre die unvermeidliche Folge dieses Akts der Illoyalität gewesen. Wenn es der Chef gehört hätte. Hat er aber glücklicherweise nicht. Wir waren allein im Laden, die Verkäuferin verkauft also immer noch. Ich frage nach Kalbsschnitzel. Gibt es nicht. Sie etwas abschätzig: "Das ist den Leuten hier zu teuer. Das kaufen die nicht." Ich nehme also Schwein. Na ja, zur Not. Wir fachsimpeln ein bisschen über Kalb und Lamm und dass man da ruhig ein bisschen mehr ausgeben darf. Gutes Fleisch hat eben seinen Preis. Da kann sie sich nicht mehr halten und platzt mit Einkauftipps heraus. Wo sie immer einkauft. "Der beste Schlachter, den ich kenne!" Sonnenallee, im türkisch-arabischen Supermarkt. So hervorragendes Fleisch. "Unser Lamm kann da nicht mithalten und kostet mehr als das Doppelte." Und wie die ihre Sachen am Abend wegräumen. So sauber, "ich seh als jemand vom Fach ja besonders hin. Da könne sich hier mancher deutsche Schlachter 'ne Scheibe von abschneiden." Hui. Das war fast etwas mehr Information als ich eigentlich haben wollte. Ich nehme meine beiden blassen Schnitzelchen und verabschiede mich. Sie sah richtig glücklich aus, als sie mir noch einen guten Tag wünschte.

Noch ein prominenter Werderaner

Tut mir Leid, als alteingesessener Brandenburger kann ich natürlich nicht schweigen, wenn die Berliner Außenstelle unseres Blogs das Havelnest Werder auf Obst und Besäufnisse reduziert. Im Berliner Umfeld sind - das steht zumindest mit dem Obst in Beziehung - die Werderaner Obstsäfte in gut sortierten Regalen zu bekommen. Einen wesentlich größeren Verbreitungsradius hat hingegen jener nicht genug zu preisende Werderaner:



Er gehört zu jenen, für die man vor 1989 extra nach Berlin fuhr und für die man auch heute noch einen Umweg in Kauf nimmt. Bekannte, die es weit in den Westen verschlagen hat, versäumen es nicht, sich regelmäßig auf Osttouren den Kofferraum damit vollzupacken. Selbst das sonst eher dem Elitären verhaftete Magazin der Süddeutschen Zeitung ließ sich vor einigen Jahren zu einer wahren Hymne auf den Werderaner Tomatenketchup hinreißen. Er schmecke schlicht und einfach nach Tomaten und habe eben das aller Konkurrenz (auch aus dem Ausland) voraus.

Seine Brüder, der Gewürz- und der Curryketchup, sind zwar nicht ganz so mehrheitsfähig, aber ebenfalls in puncto Preis-Leistungverhältnis schwer zu schlagen. Also, solange die Grillzeit noch dauert: zugreifen! Und Werder in guter Erinnerung behalten.