Heute morgen wachte ich auf und wunderte mich, dass es schon hell war. Der Blick auf den Wecker ließ mich aus dem Bett hüpfen und ins Bad stürmen. Ich hatte satte eineinhalb Stunden verschlafen.
Ansonsten gönnen wir uns jeden Morgen ein schönes Frühstück. Kaffee aus dem Mokkakännchen, die Bohnen frisch gemahlen. Käse, Marmelade, Butter, gerne auch mal einen Happen Hering. Dazu die Zeitung. Vielleicht ein bisschen spießig, aber mit einem Heißgetränk und zwei bis drei Broten im Magen macht der Frühstart einfach Spaß.
Heute: Ein sogenanntes "Ciabatta" vom Imbissladen am Ostkreuz. Wie etwas so Labbriges diese optische Knusprigkeit vortäuschen kann, ist mir ein echtes Rätsel. Ehrlich gesagt kann ich mich schon nicht mehr erinnern, ob ich jetzt Salami oder Schinken hatte. Schade um die 2,50 Euro für eine Art Flugzeugverpflegung. Im Ziel-S-Bahnhof dann bei Kamps noch mal Nachschub geholt. Ei-Schrippe 2 Euro (Alibi 1,99). Bisschen sehr mayonnaisig und süßlich. Gleicher Gedanke, wie eigentlich jedesmal, wenn ich so ein Zeug gegessen habe - "Muss ich nicht haben." Genau wie die zwei Tassen Brühkaffee auf Arbeit. Fazit: Magen übersäuert, klumpiges Gefühl.
Im Geiste notiert: Selbst wenn man verschläft, lieber 5 Minuten Zeit fürs Brote machen nehmen. Oder noch besser: Abends schon die Bentobox mit kleinen und gesunden Köstlichkeiten füllen und morgens dann genießen. Kettenbäcker und Fertigbrötchenstände an S-Bahnhöfen (und nicht nur da) meiden.
Jedes Ding hat seine Zeit. So auch dieses Blog. Berlin ist groß und schnell, und wir sind zu klein und langsam, um den Wandel auch nur teilweise abbilden zu können. Deshalb: Danke für's Lesen und Kommentieren. Ab sofort ist das Blog im Archiv-Modus und bleibt voraussichtlich stehen, vielleicht bis Google den Blogger-Dienst einstellt.
Mittwoch, 28. Januar 2009
Montag, 26. Januar 2009
Das Johann Rose: Kreuzberger Café-Plüschiversum
Gruß von der ThekeDie seltenen Sonntagsbesuche bei meiner Großtante Margarete - die nur zärtlich "Rettl" genannt wurde - liefen immer nach dem selben Muster ab. Wir wurden ins Wohnzimmer geführt, das mit Möbeln vollgestopft war, und quetschen uns auf das plüschige Sofa. Häkeldeckchen lagen auf dem Couchtisch, eingedeckt mit geblümten Rosenthal-Porzellan. Rettl servierte selbstgebackenen Kuchen und dünnen Brühkaffee. Dann langweilten wir Kinder uns gefühlte fünf Stunden.
Das ist viele Jahre her. Aber als wir am Sonntag das Café Johann Rose betraten, kam es mir vor, als hätte jemand die gute Stube meiner Großtante nach Berlin in die Forster Straße 57 verfrachtet. Nein. Eigentlich sind es drei bis vier Rettl-Wohnzimmer, die den Gastraum verstopfen. Es fehlen auch nicht die Blümchentassen, die Troddelkissen, die Häkeldecken. Dafür gibt es W-Lan, einen Plastikputto und Chansons statt Blasmusik.
Blümchentasse, aber kein BlümchenkaffeeDer Kuchen ist selbstgebacken und lecker wie bei der Tante, der Kaffee natürlich besser. Wir tranken zu klassischem deutschen Käsekuchen und Walnusskaramell-Torte köstlichen Cappucchino. Die Preise sind Kreuzberg-kompatibel: Gebäck 2,50 Euro, das Heißgetränk 2 Euro. Langeweile kam nicht auf. Coffeetablebooks aus früheren Zeiten ("Goldenes Coburg - die Fränkische Krone") und Bastelbücher aus den 80erjahren versüßten uns den Sonntag im Plüschiversum. Das ist übrigens größtenteils rauchfrei, ein knuffiges Separée erlaubt die Zigarette zum Aperitif.
Immer frischer BlumenschmuckSonntag kann man im Johann Rose gepflegt brunchen. Ob die Schinkenröllchen mit Dosenspargel auch eine Referenz an die 60er und 70er sind? Tomaten mit Fleischsalatfüllung und "Fliegenpilze" aus gekochten Eiern mit Tomatenhut und Mayonaisetupfern konnte ich nicht entdecken.
Außen Kreuzberg, innen knuffig
Samstag, 24. Januar 2009
Zitrone muss nicht immer heiß sein
Vitamin C ist zur Stärkung der Abwehrkräfte, so macht an uns seit Äonen weis, unverzichtbar. In Zeiten grassierender Erkältungen kommen wir diesem Gebot gern nach, aber man kann auch beim besten Willen nicht jeden Tag Kiwis verschlingen. Also führt kein Weg vorbei am Klassiker: der Zitrone.

Erfreulicherweise habe ich neben der klassischen heißen Zitrone und einer deliziösen Cremespeise noch ein drittes Rezept im Köcher, das mich seit Jahrzehnten begleitet. Der Zitronenkuchen - in einem uralten Kochbuch vollkommen übertrieben als "Zitronentorte" tituliert - ist zum Glück nicht nur mein Lieblingskuchen, sondern auch schnell und preiswert hergestellt und mir fast noch nie misslungen (außer beim Gastbacken auswärts, wenn die Öfen sponnen).
Der Teig ist rasend schnell zusammengerührt: 250 g Margarine, 200 g Zucker, 200 g Mehl, 4 Eier, 1/2 Pkg. Backpulver, die geriebene Schale von einer Zitrone (bei Mangel an ungespritzten Zitronen ein Päckchen CitroBack oder ähnliches Ersatzpulver) und eine Prise Salz werden gerührt, bis eine dicke, etwas breiig-zähe Masse entsteht. Dann gilt es, den Teig nicht schon beim Kosten aufzufuttern, sondern in eine gefettete Springform zu geben und im vorgeheizten Ofen auf mittlerer Schiene bei mittlerer Hitze ca. 30 min zu backen.
In der Zwischenzeit kann man sich die Fingernägel schneiden oder ein wenig die Küche aufräumen, dann rührt man fix (nicht zu früh) aus weiteren 150 g Zucker und dem Saft von zwei mittelgroßen Zitronen den Guss zusammen. Mit einem Holzstäbchen testet man, ob der Teig, der inzwischen hochgegangen, an der Oberfläche hügelig und etwas angebräunt sein sollte, fertig ist - bleibt nach dem Einstich kein Teig mehr am Stäbchen hängen, kann der Kuchen aus der Röhre. Dann kommt der Husarenstreich.

Mit dem Test-Stäbchen wird die Oberfäche systematisch verunstaltet, also mit etlichen Löchern versehen, die idealerweise bis zum Boden reichen. Wenn die Kuchenoberfläche einer Mondkraterlandschaft gleicht, darf man sein Vernichtungswerk beenden. Dann kommt der konstruktive Teil: Der Guss wird noch einmal kräftig durchgeührt, bis Zucker und Saft gleichmäßig vermischt sind, und mit einem Löffel schön gleichmäßig auf dem Kuchen verteilt. Nach kurzer Zeit dürften einige Löcher wieder aufgehen, die werden sofort wieder mit Guss verfüllt. Das sollte recht schnell gehen, um der Gerinnung zuvorzukommen. Nach einigen Minuten dürfte eine hübsch kristallin schimmernde Oberfläche entstehen.

Die einzige Leistung des Hobbybäckers besteht nun darin, sich so lange auf die Finger zu hauen, bis der Kuchen vollständig abgekühlt und die Kruste ordentlich ausgehärtet ist. Dann wird, wenn nötig, an den Rändern die Zuckerkruste vorsichtig von der Form getrennt und die Springform aufgeploppt. Eine Kanne Kaffee und einige hungrige Mäuler dazu - fertig ist die klassische Sonntagnachmittags-Kaffeezeit.
Aus Erfahrung wird der Kuchen meist erst einmal skeptisch angestarrt, weil er so nach rein gar nichts aussieht. Jeder Rührkuchen aus einer Fertigmischung macht optisch mehr her. Aber in der Regel muss man sich nicht darum kümmern, was man mit Resten macht (zur Not hält das gute Stück aber ein paar Tage) und kann die Zeit nutzen, um anderen das Rezept zu notieren.

Erfreulicherweise habe ich neben der klassischen heißen Zitrone und einer deliziösen Cremespeise noch ein drittes Rezept im Köcher, das mich seit Jahrzehnten begleitet. Der Zitronenkuchen - in einem uralten Kochbuch vollkommen übertrieben als "Zitronentorte" tituliert - ist zum Glück nicht nur mein Lieblingskuchen, sondern auch schnell und preiswert hergestellt und mir fast noch nie misslungen (außer beim Gastbacken auswärts, wenn die Öfen sponnen).
Der Teig ist rasend schnell zusammengerührt: 250 g Margarine, 200 g Zucker, 200 g Mehl, 4 Eier, 1/2 Pkg. Backpulver, die geriebene Schale von einer Zitrone (bei Mangel an ungespritzten Zitronen ein Päckchen CitroBack oder ähnliches Ersatzpulver) und eine Prise Salz werden gerührt, bis eine dicke, etwas breiig-zähe Masse entsteht. Dann gilt es, den Teig nicht schon beim Kosten aufzufuttern, sondern in eine gefettete Springform zu geben und im vorgeheizten Ofen auf mittlerer Schiene bei mittlerer Hitze ca. 30 min zu backen.
In der Zwischenzeit kann man sich die Fingernägel schneiden oder ein wenig die Küche aufräumen, dann rührt man fix (nicht zu früh) aus weiteren 150 g Zucker und dem Saft von zwei mittelgroßen Zitronen den Guss zusammen. Mit einem Holzstäbchen testet man, ob der Teig, der inzwischen hochgegangen, an der Oberfläche hügelig und etwas angebräunt sein sollte, fertig ist - bleibt nach dem Einstich kein Teig mehr am Stäbchen hängen, kann der Kuchen aus der Röhre. Dann kommt der Husarenstreich.

Mit dem Test-Stäbchen wird die Oberfäche systematisch verunstaltet, also mit etlichen Löchern versehen, die idealerweise bis zum Boden reichen. Wenn die Kuchenoberfläche einer Mondkraterlandschaft gleicht, darf man sein Vernichtungswerk beenden. Dann kommt der konstruktive Teil: Der Guss wird noch einmal kräftig durchgeührt, bis Zucker und Saft gleichmäßig vermischt sind, und mit einem Löffel schön gleichmäßig auf dem Kuchen verteilt. Nach kurzer Zeit dürften einige Löcher wieder aufgehen, die werden sofort wieder mit Guss verfüllt. Das sollte recht schnell gehen, um der Gerinnung zuvorzukommen. Nach einigen Minuten dürfte eine hübsch kristallin schimmernde Oberfläche entstehen.

Die einzige Leistung des Hobbybäckers besteht nun darin, sich so lange auf die Finger zu hauen, bis der Kuchen vollständig abgekühlt und die Kruste ordentlich ausgehärtet ist. Dann wird, wenn nötig, an den Rändern die Zuckerkruste vorsichtig von der Form getrennt und die Springform aufgeploppt. Eine Kanne Kaffee und einige hungrige Mäuler dazu - fertig ist die klassische Sonntagnachmittags-Kaffeezeit.
Aus Erfahrung wird der Kuchen meist erst einmal skeptisch angestarrt, weil er so nach rein gar nichts aussieht. Jeder Rührkuchen aus einer Fertigmischung macht optisch mehr her. Aber in der Regel muss man sich nicht darum kümmern, was man mit Resten macht (zur Not hält das gute Stück aber ein paar Tage) und kann die Zeit nutzen, um anderen das Rezept zu notieren.
Mittwoch, 21. Januar 2009
Heißhunger in Erkältungszeiten
Gewisse Dinge kommen zuverlässig jedes Jahr wieder. Eines davon ist die Erkältungswelle im Winter. Nahezu täglich hört man aus einer anderen Ecke, dass der oder die (z. B. kürzlich Gutes Essen und Wasabi) leider nicht einsatzfähig sei, weil sich Hals, Nase und Hirn zum gemeinsamen Boykott verabredet haben. Dieser Zustand ist mir nicht unbekannt, da ich mir zwar selten grippale Infekte einfange, dafür aber gerne dank quasi-allergischer Reaktionen identische Symptome habe. In diesen Zeiten besinne ich mich gern auf ein altes Hausmittelchen mit angeblichen Wunderkräften: Hühnerbrühe.

Dummerweise verfüge ich weder über einen Schnellkochtopf, der Energie- und Zeitaufwand in erträglichen Maßen hielte, noch habe ich allzu viel Lust, mich mit Triefnase und Niesattacken lange in die Küche zu stellen. Glücklicherweise stieß ich in meiner Verzweiflung im Supermarkt nebenan auf die oben abgebildete Ersatzdroge, die zu meinem Erstaunen der selbstgemachten Version recht nahe kam. Trotz Glutamat, Aroma und Farbstoffen schmeckt das Süppchen mit der richtigen Wasserbeigabe angenehm hühnerig, leistet sich auch ein paar Fettaugen und enthält vernünftige Fleischstückchen. Mit etwas Reis und ein paar Erbsen ist der knappe Liter Suppe für einen Schniefenden ein vollkommen ausreichendes Abendessen.
Ob das Süppchen tatsächlich so gesund ist, wie gern behauptet wird, lasse ich dahingestellt. Auf jeden Fall schmeckt es (im Gegensatz zur Rindfleisch-Variante, die mich nicht so sehr begeisterte) gut, ist schnell zubereitet und wärmt auf. Dafür verzeiht man dem Konzentrat auch das bescheuerte Bild auf dem Etikett. Gourmethäppchen braucht in den beschriebenen Momenten ohnehin keiner.

Dummerweise verfüge ich weder über einen Schnellkochtopf, der Energie- und Zeitaufwand in erträglichen Maßen hielte, noch habe ich allzu viel Lust, mich mit Triefnase und Niesattacken lange in die Küche zu stellen. Glücklicherweise stieß ich in meiner Verzweiflung im Supermarkt nebenan auf die oben abgebildete Ersatzdroge, die zu meinem Erstaunen der selbstgemachten Version recht nahe kam. Trotz Glutamat, Aroma und Farbstoffen schmeckt das Süppchen mit der richtigen Wasserbeigabe angenehm hühnerig, leistet sich auch ein paar Fettaugen und enthält vernünftige Fleischstückchen. Mit etwas Reis und ein paar Erbsen ist der knappe Liter Suppe für einen Schniefenden ein vollkommen ausreichendes Abendessen.
Ob das Süppchen tatsächlich so gesund ist, wie gern behauptet wird, lasse ich dahingestellt. Auf jeden Fall schmeckt es (im Gegensatz zur Rindfleisch-Variante, die mich nicht so sehr begeisterte) gut, ist schnell zubereitet und wärmt auf. Dafür verzeiht man dem Konzentrat auch das bescheuerte Bild auf dem Etikett. Gourmethäppchen braucht in den beschriebenen Momenten ohnehin keiner.
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