
Es soll ja Leute geben, die brauchen schon zum Frühstück ein schönes Pils, damit sich das Zittern legt. Da ich mich ungern zu dieser Gruppe gesellen möchte (die Folgen von Alkoholernährung konnten wir lange Zeit am Publikum der kleinen Kneipe unter unserer Wohnung studieren), vermeide ich gewohnheitsmäßiges Biertrinken.
Aber manchmal geht der Franke in mir dann doch durch. Neulich zum Beispiel schenkte ich mir Punkt 16 Uhr ein Kellerbier der Hummel-Bräu aus Merkendorf bei Bamberg ein. 16.12 Uhr war die Flasche leider schon wieder leer. Der Inhalt, ein natürtrübes, äußerst vollmundig süffiges Vollbier, hatte vollständig in meinen Körper übergewechselt.
Ich frage mich, ja, ich frage mich: warum können sie in Oberfranken Biere brauen, die alle anders, aber (fast) alle hervorragend schmecken und kaum Geld kosten. Nebenbei bemerkt: die übliche Großbrauereiware kann da in der Regel geschmacklich nicht einmal annähernd mithalten. In Berlin laufen solche Biere anscheinend als Feinkost, anders kann ich mir die hiesige Preisgestaltung nicht erklären.
Wie es dieser Stoff bis Berlin geschafft hat, kann ich nur vermuten. Vermutlich per Direktimport im Kofferraum eines Privatautos oder Lieferwagens. Das würde den Preis plausibel machen, den ich für eine Flasche dieses köstlichen Gesöffs am Winterfeldtmarkt bezahlte: zwei Euro. Für Berlin zugegebenermaßen nicht wirklich teuer, wo einem in den Bars für eine Flasche Augustiner (ohne Glas, immerhin geöffnet) um die drei Euronen abgeknöpft werden.
Die Wirtshausbrauerei Hummel verlangt übrigens für einen Kasten Kellerbier 10,80 Euro, 54 Cent für den halben Liter. In der Gastwirtschaft dürften es nicht mehr als 2,20 bis 2,50 für eine frische Halbe vom Fass sein. Eigentlich aber bin ich ganz froh, dass ich solche Leckereien in Berlin nur selten finde. Das erhöht mit Sicherheit den Genuss. Denn ich bin mir nicht sicher, ob der Merkendorfer sich bewusst ist, welche Delikatesse er in seinem Wirtshaus gezapft bekommt, wenn er ein Bier bestellt.