Nein, vielmehr setzt mir das zu, was in hiesigen Breitengraden in Verkaufsregal und Kneipenkühlschränke kommt. Jahrelang war das neben dem exzellenten Pilsner Urquell fast gar nichts, gelegentlich gab es irgendwo ein schwarzes Krusovice (und die tschechischen Schwarzen sind ebenso süß wie ihre deutschen Brüder mit der Ausnahme Köstrizer). Dann wurden die EU-Zollrichtlinien geändert und eine Masse bekannter und unbekannter Marken schwemmte in Discounter- und Getränkemarktregale. Was dort landete, waren zum Teil renommierte Marken, die sich hiesige Multis als Premiummarke (Krusovice, Branik, Budweiser) eingekauft hatten, oder schlicht erfundene billige Marken (Louny, Lobkowicz, Bohemia).
Das ist - bis auf die wahrscheinlich riesige Gewinnspanne, denn die meisten Gebräue kosten bei den Nachbarn einen Bruchteil - an sich noch nichts Schlechtes. Kriminell wird es erst, wenn man sich den Inhalt der Flaschen zur Brust nimmt. Die Discounter-Tschechen erwiesen sich allesamt als untrinkbar und unterbieten teilweise an Schalheit noch das berüchtigte Sternburg-Pils. Die sehr teuren Markenbiere müssten diese Klippe eigentlich umschiffen. Wie gesagt: müssten. Aber irgend jemand muss in einer sehr trüben Minute entschieden haben, dass nicht die Pils-Variante, sondern das geschmacklich schwächere Export (Krusovice) oder Lager (Branik) exportiert werden. Und so wandelt der Bierliebhaber schulterzuckend an den böhmischen Kästen vorbei oder greift seufzend doch wieder zum brieftaschenkillenden Urquell.
Aaaaaaaber: Kürzlich erschien in meinem grauen Alltag ein unerwarteter wie heller Lichtstrahl. Er blendete mich aus einem versteckten Winkel hinter einer Südleipziger Getränkemarktkasse durch den schlichten Fraktur-Schriftzug "Gambrinus". Eine Nachfrage bei der Kassenbesatzung provozierte spontane Luftsprünge - ja, das sei jetzt ständig im Angebot. Zwar zum Premium-Preis, aber immerhin ein echter Pilsener.

Was an dem Tropfen so toll ist? Es handelt sich um den kleinen Bruder von Pilsner Urquell. Der kommt ebenfalls aus der Mutterstadt des Bieres und hat seine Brauerei direkt neben der, in welcher die Weltmarke gebraut wird und die den selben Besitzer hat. Folglich, wohl auch wegen ähnlichen Wassers, schmeckt das Gebräu dem Primus sehr ähnlich und hat die typisch tschechische ... nun ja, ich nenne es Fruchtigkeit. Auch hier haben wir es mit einem Lager zu tun, aber eines, das in der Qualität nicht wesentlich abfällt. Außerdem habe ich jetzt endlich wieder die Möglichkeit, das schönste Bierglas der Welt, für das ich vor fünf Jahren extra nach Plzen fuhr (dort gibt es ein umfangreiches Biermuseum mit Werksverkauf - man will ja nicht klauen), wieder adäquat zu füllen.
Großartige Werbekampagnen oder eine deutsche Homepage gibt's nicht, was auch etwas Sympathisches hat. Nur einen möglichst weitreichenden Vertrieb, den wünsche ich diesem Neuankömmlig auf dem deutschen Markt von ganzem Herzen. Prost!
P.S.: Wann kommt Velkopopovický kozel? Angeblich kommt der schon auf uns zu galoppiert, unkt die Presse.