Montag, 31. Dezember 2007

Mit Deef in der Goldenen Schildkröte

Tintenfisch in der Goldenen SchildkröteHabe ich schon mal erwähnt, wie gerne ich Tintenfisch mag?

Da schreiben wir über Currywurst, komische Asianudelsuppen und klitschige Waffeln. Und dabei verschwinden in den Untiefen von lecker essen! still und leise die wirklichen Gastromieperlen dieser Stadt. Beim Durchforsten alter Beiträge entdeckte ich nämlich gerade ein bisher nicht veröffentlichtes Posting zum Vietnamrestaurant Goldene Schildkröte - Kim-Qui (Torstraße 179, Berlin-Mitte). Keine Ahnung, warum das noch immer auf Veröffentlichung wartet, denn im Prinzip sind wir dort schon fast längst Stammgäste. Seit Juli habe ich bestimmt sieben oder acht Mal in dem Restaurant-Café, wie es sich selbst nennt, gegessen. Immer gut, immer sehr schmackhaft, immer mit ausgezeichnetem Service. Wasabi ist inzwischen auch Schildkrötenfan, und so war es fast schon vorbestimmt, dass wir gestern abend schon wieder in die Torstraße gondelten. Diesmal mit Deef, der zu Silvester einen kleinen Abstecher in die Hauptstadt gemacht hat.

Dank Deef kostete ich erstmals warmen Reiswein, den man aus einer Art Eierbecher trinkt. Während wir über alte Zeiten schwätzten und Wasabi dabei fast zu Tode langweilten, löffelten wir wunderbare Hühnersuppen (ich mit Glasnudeln, Wasabi mit Kokosmilch) und Deef verspeiste eine gedämpfte Hefeteigtasche. Den scharfen gebratenen Tintenfisch vom Foto gab es auch. Das Bild stammt vom Juli (so lange gärt dieser Beitrag schon in der Postliste vor sich hin...) - ich bin überzeugt, er hätte gestern kein bisschen schlechter ausgesehen. Aber Wasabi nahm im Hauptgang Rindfleisch mit Gemüse und Paprika (scharf!), ich das Schweinfleisch auf lauwarmen Reisnudeln. Deef (den ich ganz anders nenne) bestellte einen meiner Favoriten: knuspriges Huhn, süß-sauer mit Reis. Die Vorspeisen und Suppen kosten zwischen 2,50 und 3,80 Euro, die Hauptgerichte zwischen 6 und 7,50 Euro. Ein großes Bier gibt es hier noch unter drei Euro selbstverständlich im Glas und gezapft. Der Kaffee ist übrigens auch von bester Qualität. Also Ihr Hungrigen: nicht direkt am Rosenthaler Platz hängen bleiben, sondern noch 400 Meter Richtung Oranienburger Tor gehen. Es lohnt sich. So. Das ist mit Sicherheit der letzte Beitrag des Jahres 2007. Guten Rutsch.

Update 21. 5. 2008: Wie wir gestern gesehen haben, hat die Goldene Schildkröte zugemacht.

Punk is not dead ... und veganes Essen ist köstlich

restaurant zest

Beides mag überraschend klingen, beweist sich aber im tadellosen Restaurant Zest in der Bornaischen Straße 54 - im Vorderhaus des Zoro, einem sehr alternativen Veranstaltungsort für Punkkonzerte und Verwandtes. Zwischen den beiden Läden gibt es wohl personelle oder andere Verbindungen und zu späterer Stunde setzt sich manchmal die heftig tätowierte Küchenchefin raus an den Tresen - aber das Zest ist keineswegs ein verranzter Alternativentreff, sondern ein äußerst professionell geführtes Restaurant und nebenbei bemerkt eines der besten seiner Preisklasse in Leipzig.

Auf der monatlich wechselnden Karte entdecke ich jedes Mal etwas Neues. Die Gerichte bedienen sich aus verschiedenen Länderküchen von Orient bis Okzident, verwenden saisonale Zutaten und bieten überraschende Zusammenstellungen, neue Geschmackserlebnisse und Dinge, die ich einfach noch nie gegessen habe. Die Zest-Besatzung stellt alle Gerichte frisch her und verwendet keinerlei Fertigprodukte. Der Service tritt in der Ansprache weder zu salopp noch zu förmlich auf und kann sehr kompetent zu den Gerichten auf der Karte Auskunft geben. Genau so würde ich gerne überall bedient werden - und da meine ich nicht nur die Läden, wo sich überforderte studentische Aushilfskräfte redlich abmühen, sondern gerade auch Lokale, die offensichtlich nach Höherem streben.

Also gleich mehrere Gründe, unserem vorweihnachtlichen Kurzbesuch in Leipzig entgegenzufiebern, für den wir frühzeitig einen Tisch reserviert hatten - das Zest ist gerade am Wochenende abends meistens durchreserviert und da das Stuhlwerk in dem kleinen Raum mit den freiliegenden Backsteinwänden erheblich bequemer ist, als es aussieht, wird da meistens auch so schnell nichts frei. Freund R. musste nicht lange gebeten werden, GutesEssen und mich zu begleiten, denn neben dem Essen schätzt er die kleine, aber besondere Auswahl offener Weine, die man so in Leipzig kaum bestellen kann.

fruehlingsrollen

hummus mit fladenbrot

selleriepüree

Als Vorspeise bestellte ich die sensationellen knusprigen Frühlingsrollen mit Currygemüsefüllung und fruchtig-sauer-süß-scharfer Mangosoße (4, 50 Euro), GutesEssen verspeiste das Sellerie-Schnittlauchpüree in hauchdünnem Teig mit geschmortem Chicoree (5, 10 Euro) und R., der an einer Zungenverletzung laborierte, labte sich im ersten Gang an Hummus (Kichererbsenpaste) mit selbst gebackenem Fladenbrot (3, 90 Euro).

linsensalat

Kartoffelgnocchi mit rosmarinpesto

Als Hauptgericht wählte er, der lädierten Zunge wegen, den lauwarmen Linsensalat mit Lauchzwiebeln und Seitanspießen (7, 30 Euro), und erklärte ihn zum "besten Essen dieses Wochenendes". Gutes Essen und ich entschieden uns beide für die Kartoffelgnocchi mit Rosmarin-Walnuss-Pesto und marinierten Kräuterseitlingen (8, 90 Euro). Das Pesto wäre für mich Grund genug, mich für ein Küchenpraktikum im Zest zu bewerben - um herauszukriegen, mit welchen Geräten und Zutaten diese cremige angenehme Konsistenz erzielt wird. Vor etwa einem Jahr habe ich im Zest mal ein Cashewpesto gegesssen, davon träume ich heute noch. Die Kartoffelgnocchi hingegen zeigten gewisse Grenzen der veganen Küche: mit Ei im Teig werden Gnocchi einfach zarter.

schokoladenpannacotta mit balsamicokirschen

Brownies

Auch beim Dessert vermisste ich diesmal ein wenig die tierischen Produkte. Meine Schokoladenpannacotta (3, 90 Euro) war zwar schön bitterschokoladig und traf in der Kombination mit den Balsamicokirschen genau meinen Geschmack, ihr fehlte aber die schmelzende Cremigkeit und Geschmeidigkeit, die sich sonst aus der Kombination von Sahne und Gelatine ergibt, die bei Körpertemperatur im Mund schmilzt. GutesEssens Sojaquarkbrownie (2, 90 Euro) ließ hingegen nichts vermissen und wurde leicht warm serviert. R. bestellte noch ein Sojaeis (die Zunge!) und einen Espresso, den er geschickt an derselben vorbeikippte.

Heute, am Silvesterabend, serviert das Zest ein Menu mit acht Gängen - schade, dass ich nicht dabei sein kann, denn ein Restaurant dieser Klasse haben wir in Berlin noch nicht entdeckt. Gleich gehts raus ans Spreeufer, Feuerwerk gucken. Allen Lesern, die bis hier her durchgehalten haben, ein gutes neues Jahr - und immer einen vollen Kühlschrank.

Samstag, 29. Dezember 2007

Fastfoodwaffeln am Potsdamer Platz



Weihnachtszeit - Zeit der Übelkeit sage ich immer. Und, wie gehts euch da draußen? Ist der Magen nach der Weihnachts-Völlerei halbwegs wieder eingerenkt? Der Lecker-Essen-Haushalt laboriert nach einem unvorsichtigen Selbstversuch mit einem sehr fettigen Döner am zweiten Weihnachtsfeiertag (dazu später eventuell mehr) an leichter Magenverstimmung und betreibt partielle Nahrungsverweigerung.
In diesem Zustand durchtaumelten wir gestern nach einem sehr ausgedehnten Ausstellungbesuch die Potsdamer Platz Arkaden. Ich war schwer unterzuckert und brauche in diesem Stadium einen Kaffee und eine echte Sitzgelegenheit - keinen Stehtisch und keinen Barhocker, wie sie die unwirtlichen Freßabteile im Untergeschoß der Arkaden meistens bereithalten.

Eigentlich schon auf dem Weg nach Hause, wurden wir im Bratwurstbudengewirr am Eingang zur Bahn von zwei Gutscheinverteilerinnen aufgebracht. Zu wehrlos, um zu flüchten, zogen wir mit zwei Gutscheinen für ein Heißgetränk und eine "echte belgische Waffel" für 3,50 Euro von dannen, die wir im IceXoc am Potsdamer Platz 8 sofort einlösten, da der Laden leidlich bequeme Sessel bietet.

Der Cappucino kam schnell, war guter Durchschnitt, in der Situation sehr belebend, wäre mir mit einem Normalpreis von 2,60 Euro für die Qualität aber zu teuer.
Die Waffeln (Normalpreis 1,90) ließen länger auf sich warten, was zunächst gewisse Erwartungen weckte - die leider umgehend enttäuscht wurden. Diese festen, trockenen, außen harten, im Inneren etwas klitschigen gepressten Teigfladen hatten mit belgischen Waffeln, den gaufres, die es dort im Straßenverkauf gibt, wirklich nicht das geringste zu tun. Ich beglückwünschte mich im stillen, dass ich nicht noch eine der möglichen Waffelbeilagen - Eis, Sahne, Kirschkompott - bestellt hatte, und aß die Waffel trotzdem, weil ich die Kohlenhydratzufuhr gerade ganz gut gebrauchen konnte.

Die Fahrt nach Hause verbrachten GutesEssen und ich mit Spekulationen, ob wir gerade einer weltweit operierenden Waffel-Systemgastronomie aufgesessen waren, die ihre Franchisenehmer mit einer Waffelbackmischung beliefert, die nur noch mit Wasser angerührt werden muss. Ein Blick ins Internet belehrte mich, dass sich am Potsdamer Platz allenfalls die Keimzelle dieser Waffelfastfoodkette befindet, die angeblich "ausschließlich natürliche Produkte" verwendet. Nunja, bei Burgerbratern kann man ja jetzt auch Salat essen.

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Tapasperle in Treptow

Tapas sechs in BerlinSollte man nicht den Leuten von BKA und Zitty überlassen

Die Gegend um den S-Bahnhof Treptower Park gehört nun wirklich nicht zu den Zentren gastronomischer Hochkultur in dieser Stadt. Viel Imbisskrams, der übliche Döner plus Begleitumstände (Fettgeruch, billige Getränke, entsprechendes Publikum), die unvermeidlichen Fastfoodketten. Aber gleich hinter dem Parkcenter, dort wo das Parkhaus seinen Inhalt ausstößt, entdeckte Wasabis Nase eine echte Perle, die ich jetzt ins grelle Licht dieses Blogs zerre. Ganz aufgeregt war sie nach Hause gekommen. Da sei eine Tapasbar in der Beermannstraße 6, die müssten wir einfach testen. Auf die Spur gebracht hatte sie köstlicher Duft nach frisch angedünstetem Knoblauch, der aus einem winzigen Lädchen in ihre Spürnase sickerte. Inzwischen haben wir die Geruchsquelle mehrfach besucht und werden es mit Sicherheit wieder tun.

Um es kurz zu machen: Das Tapas 6 ist ein echter Geheimtipp, der es verdient, diesen Status zu verlieren. Das Konzept sieht so aus: Ein grundehrlicher Mann bietet hier im Alleingang grundehrliche, kräftige spanisch-portugiesische Küche zu absolut grundehrlichen Preisen. Kein Firlefanz, keine Folklore, kein Hasta la vista, Baby. Dafür täglich (außer Montag und Sonntag, da macht der Koch Ruhetag) ein halbes Dutzend wechselnde warme Gerichte, vor allem Tortillas und sagenhafte Eintöpfe, eine Karte mit kalten und warmen Tapas, der Serranoschinken wird vor den Augen der Gäste vom Schweinebein gesäbelt. Außer den Getränken ist hier nichts konfektioniert - und an Knoblauch, Olivenöl und Schärfe wird nicht gespart. Es gibt spanisches Bier aus der Flasche und die beiden Hausweine - rot und weiß - sind echte Schmeckerchen. Der Wirt verzichtet auf die (nach meiner Beobachtung) übliche Berlin-Mitte-Taktik, moderate Essenpreise (im Tapas 6 ab ungefähr 3 Euro) mit teuren Getränken zu kompensieren.

Derzeit rekrutiert sich das Stammpublikum vermutlich hauptsächlich noch aus MitarbeiterInnen des benachbarten BKA, die ihre Kantine satt haben. Außerdem könnte man auch Mitglieder der Zitty-Redaktion unter den Gästen vermuten. Die Redaktion des Stadtmagazins residiert nämlich keine 300 Meter entfernt an der Elsenstraße und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Gastroredaktion diese kleine Perle vor Ihrer Nase noch nicht entdeckt haben soll. Ein bisschen Muffe, zu viele Leute könnten jetzt unsere kleine Entdeckung stürmen, habe ich schon. Die Bar hat vielleicht zwölf Sitzplätze, das kann schnell eng werden. Aber da sich das Gute sowieso meist schnell herumspricht, will ich diesmal der erste sein, der einen echten Geheimtipp in die Welt hinausposaunt.