Xi Gui Yuan - ein komischer Name, oder?Zugegeben, ich bin eine Ignorantin. Und daher kann ich mir den Namen des chinesischen Restaurants Xi Gui Yuan, das letzten Sommer in der Leipziger Münzgasse eröffnete, nun überhaupt nicht merken. Ein erster Schreibversuch über dieses Lokal vor etwa einem Monat scheiterte schon daran, dass ich in Berlin der Namen nicht mehr wusste und er auch nicht auf der Rechnung steht. Für mich sollten Chinarestaurants Namen haben wie
Große Mauer,
Peking-Palast oder meinetwegen
Lon-Men's Noodle House. Den zweiten Besuch, der zu Recherchezwecken nötig wurde, habe ich aber am vergangenen Wochenende sehr gern erledigt, ja wahrscheinlich wäre ich dort auf jeden Fall wieder hingegangen.
Wenn wir gerade bei Geständnissen sind: Wenn ich nun hier behaupte, dass es im Xi Gui Yuan eine recht authentische chinesische Küche gibt, dann habe ich natürlich keine Ahnung, ob das wirklich stimmt. Mein Halbwissen basiert auf einer Essenseinladung bei chinesischen Studenten in Deutschland und auf Besuchen in Chinarestaurants mit ausschließlich chinesischen Gästen in Brighton und Venedig. Das Essen im Xi Gui Yuan kommt dem sehr nahe: Auf das Wesentliche konzentriert, Gerichte mit wenigen Zutaten, und vor allem keine Bambussprossen aus der Dose, an jedem Imbisswagen der beliebteste Füllstoff für Chinapampf.

Bei unserem ersten Besuch in dem dankenswerterweise nicht mit dem üblichen Chinakitsch dekorierten Restaurant probierten wir die Pekingsuppe und die gerösteten Teigtaschen (jeweils 3,80 Euro), letztere ähneln tatsächlich schwäbischen, leicht angebratenen Maultaschen mit einer saftig-würzigen Fleischfüllung. GutesEssen bestellte dann die süß-sauren Rippchen (8,90 Euro), während ich die Nummer 23 der Karte verspeiste - Hähnchenbrust mit grüner Paprika in einer leicht scharfen, öligen Soße (5,90 Euro). Beide Gerichte erschienen im Vergleich mit den überladenen Kreationen der Kollegen in anderen Lokalen mit ihren zig verschiedenen Gemüsen, Salatgarnituren und geschnitzten Möhrenblumen wohltuend reduziert. Die Rippchen waren zwei Mal gegart - erst gekocht, dann gebraten - und sehr zart und wurden in einer rötlichen Soße serviert, die GutesEssen sehr zusagte. Die Paprikastücke in meinem Gericht waren noch schön knackig, aber nicht roh.
Den zweiten Besuch begannen wir mit zwei Sorten gedämpfter Hefebrötchen, einmal mit einer köstlichen saftigen Rindfleisch-Zwiebel-Ingwer-Füllung (2, 90 Euro), einmal mit Eifüllung (2,20 Euro), die überraschender Weise gesüßt war. Da die Abfolge Vorspeise - Hauptgericht - süßes Dessert eine europäische Erfindung ist, war es vermutlich nicht ganz ungewöhnlich, mit diesen süßen Happen ins Menü einzusteigen, wir Ignoranten tunkten sie allerdings auch noch in Sojasoße...
Gedämpfte Hefeteigtaschen mit Rindfleisch und mit süßer EifüllungDanach testeten wir Rindfleisch mit Zwiebeln und Pilzen - zart, würzig, pilzig - und gebackenes Schweinefleisch (6,90 Euro) mit einer leicht süßlichen-sauren Soße mit milder Essignote. Dieses Gericht bescherte mir einen Proustschen Erinnerungsflash, denn es schmeckte genau so wie bei meinem ersten Essen in einem chinesischen Restaurant überhaupt, etwa 1986 in Wohltorf bei Hamburg. Auch GutesEssen war begeistert, denn auch er hatte nach diesem Geschmack schon Jahre lang gesucht.
Schweinefleisch süß-sauer
Rindfleisch mit Zwiebeln und PilzenBei den nächsten Besuchen möchte ich unbedingt noch ein paar der zahlreichen vegetarischen Gerichte testen - hier gibt es nämlich eine reichhaltigere Auswahl als üblich, zum Beispiel gebratene Auberginen, scharfe Kartoffelstäbchen und gebratenen
Pak Choi.