
Temperaturblogs gibt es noch nicht. Sonst würde schwüle Wärme aus diesem Sommernachtsfoto über die Tastatur des Notebooks wabern. Ich finde, der Januar (auch wenn er sich als November tarnt) braucht solche Bilder. Darum hier mein heißester Schnappschuss (ganz ohne nackte Haut): ein vietnamesisches Imbissgericht. Serviert an einem unangenehm dumpfigen Sommerabend im August vor einem Lokal am Weinbergsweg. Den Namen habe ich vergessen. Warum ich das Zeug bis auf einen ziemlich großen Rest nach dem ersten Bissen überhaupt aß, kann ich heute nicht mehr sagen. Vermutlich schlimmer Hunger. Ich kam vorbei, da holten Leute Zeug ab, also bestellte ich so ein süßsaures Zeugs. Hätte ich nicht tun sollen. Denn es war billig und es schmeckte billig, war grob geschnippelt und lavasoßig, es machte mir heftige Magenbeschwerden. Kann aber auch die Zeitung gewesen sein mit ihren ungenießbaren Artikeln. Oder beides. Und was trinke ich da eigentlich für eine Biersorte? Was man beim schlaflosen Durchforsten seiner Fotoarchive alles so entdeckt.
So - jetzt ein Beinahe-Themensprung, weil mir keine richtige Überleitung zu meinem Imbisstrauma einfällt.
Das schlechteste asiatische Essen aller Zeiten habe ich in England gegessen. Oder besser: weggeschmissen. Der Berlin-Mitte-Mampf auf dem Bild war gegen das Zeug ein göttliches Mahl.
Tatort: Dover, Kanalküste, vor längerer Zeit. Ich warte auf meine Fähre und habe noch ein paar wenige Pfund in der Tasche. Und Hunger. Großen Hunger. Auf der Suche nach Nahrung komme ich an einem Mitnahmerestaurant vorbei. "Best Chinese restaurant in town" steht da an der Tür. Rot unterstrichen mit Ausrufezeichen. Und ich glaub das. Kommen ja ständig Menschen mit Tüten raus, die ihnen eine chinesische Dame über die Theke reicht. Schweinefleisch gebacken, süßsauer bestelle ich. Irgendwas um die fünf Pfund. In der mir gereichten Tüte sind ein Teller mit Reis, ein Becher mit Soße, eine Pappschachtel mit kleinen Teigkugeln. Letzteres muss das Schwein sein.
Die Soße ist dünnflüssig und verdächtig rot. Der erste Bissen gesoßten Reises macht mich würgen. Heißes Zuckerwasser mit Essignote. Mit Soße ist der Reis ungenießbar. Ohne leider auch. Geschmack: destilliertes Wasser. Salz? War in den fünf Pfund wirklich nicht mehr drin. Das erste Mal, dass ich eine komplette Mahlzeit in den Mülleimer werfe. Das Schwein geht nämlich nach dem dritten Bissen den gleichen Weg. Denn beim Zerbeißen der Teigkugeln (dominierendes Aroma: überaltertes Frittierfett, alles absolut salzfrei) stoßen die Zähne auf kleine knorpelige Stückchen ranziger Provenienz. Klarer Fall für die Tonne.
Man sollte solche Erlebnisse nicht aufschreiben. Das versetzt nur die Magennerven wieder in Aufruhr. Aber wenigstens sind mir jetzt die Gemeinsamkeiten der beiden Erlebnisse klar geworden:
- großer Hunger
- Schwein süßsauer
- Gruppendynamik (andere Menschen suggerieren durch Kauf Qualität)
- sehr billig