Freitag, 23. März 2007

Essen ausgefallen. Buchstabensuppe statt Viergängemenü

Der Blogger ist an und für sich ein mitteilsames Wesen, sonst tät er ja nicht bloggen tun, wie man bei mir zuhause sagen würde. Aber manche Exemplare dieser Gattung sind schon scheue Pflanzen, verstecken sich hinter seltsamen Pseudonymen und verweigern Fotos von sich auf ihren Blogs. Gestern abend waren ein paar leibhaftig da, bei der Handelsblatt Bloglesung ("Mal eben ums Blog") bei Leipzig liest. Für ein paar Blogger aus Fleisch und Blut kann man schon mal das Abendessen ausfallen lassen. Die erste Erkenntnis, die das sehr jugendliche Publikum (nicht mich) mit hammerharter Wucht traf: Die sind ja keine 25 mehr! Stimmt, was habt Ihr denn gedacht? Marcel kann es nicht fassen. Vielleicht braucht große (Blog-)Literatur einfach Lebensjahre, um anständig Substanz zu entwickeln. Den Beweis für die Reife liefert übrigens diese Fotoserie. Die Jungs sind ja teilweise mit echten Profiknipsen unterwegs, da ließ ich mein Handy mit der VGA-Auflösung dann doch lieber stecken.

Während das Blitzlichtgewitter losging, machte ich es mir schön gemütlich und goutierte die Texte, zum Beispiel den von Thomas Knüwer. Der Mann hat Klasse. Sollte Hörbücher lesen. Aber sowas hatte ich mir schon am Nachmittag gedacht, als ich Knüwer bei einem "Workshop" im Mediencampus Leipzig lauschte, wo er sich launig mit der Frage auseinandersetzte, ob Blogger die besseren Journalisten seien. Antwort: nein, falsche Frage. Aber nun zu unserer Lesung. Ein Produktionsassistent vom Hörfunk hat mir mal erzählt, die meisten Autoren sollten ihre eigenen Texte nicht selbst vorlesen. Habe ich mir gestern auch manchmal gedacht. Guter Inhalt, teilweise holpriger Vortrag. Leute, könnt ihr nicht ein bisschen üben vorher? Don Alphonso hatte die Winter-Anreise aber nicht zermürbt, der Mann war buchstäblich auf den Punkt topfit, die Geschichte sehr anrührend und doch witzig,

Andererseits frage ich mich, weshalb "West-"Autoren in Leipzig so häufig Nachwendegeschichten und Oststories vorlesen, wie auch wieder bei der Auftaktgeschichte gehört. Das Thema liegt einfach zu nahe, als dass es nicht schon abgelutscht wäre. Na ja. Dafür bekamen wir den Beweis geliefert, dass auch Geschichten über Koloskopien und Wartezimmererlebnisse in Wattenscheid zünden können. Hat Spaß gemacht, auch der Auftritt der Madame Modeste in "A&R-Sekretärinnen-Carry-Bradshaw-Manier", wie es Guido auf auf Heldenstadt.de
so wunderbar 1a-Nagel-auf-den-Kopf-treffend nennt. Alles weitere ist dann bitte bei den anderen Leipziger Blogs nachzulesen.

So, ich hoffe, diese kleine Flucht aus der kulinarischen Bloggerei hat jetzt niemanden verschreckt. Soll auch nicht wieder vorkommen, denn wie werden wir sonst berühmt? Heute erst habe ich nämlich gelesen (danke Ralle!), dass unser Thema sooooo trendig ist. Genau: Schreiben übers Essen ist total en vogue sozusagen. Buchverträge, Werbeinnahmen - da rollt der Rubel. Jetzt müssen wir uns aber mächtig ranhalten und bloggen, bloggen, bloggen. Sonst wird das nichts mit dem Reichwerden. Egal. Hauptsache, es reicht noch für die Gemüsekiste und die Wurst vom Fleischer Knötzsch. Dazu demnächst mehr.

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